„Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“; Porträt

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„Auf unseren täglichen Touren merkt man, dass die Aggressionen insgesamt in den vergangenen Jahren gestiegen sind“, berichtet der gebürtige Aachener. „Die Leute sind genervter, gestresster und unzufriedener. Gerade im Verkehr reagieren die Leute sehr aggressiv, wenn sie hinter einem Müllauto warten müssen. Böse Worte fallen viel schneller als früher. Und das sind laut Thelens noch die harmlosen Vorfälle.

Psychokrieg um den Abfall

Seine Einsätze auf dem Recyclinghof lassen den Personalrat mittlerweile fast vom Glauben abfallen. „Das Verhalten mancher Kunden dort ist äußerst extrem. Die Leute reagieren nicht nur unzufrieden sondern auch verständnis- und respektlos, wenn sie bestimmte Sachen nicht bei uns entsorgen können.“ Doch es gibt klare Regeln, welchen und wie viel Abfall die Bürger auf den Recyclinghöfen abliefern dürfen. Die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft setzen diese Vorschriften nur um. Und ziehen damit den direkten Unmut vieler Kunden auf sich.

Der Personalrat und die Geschäftsführung des Stadtbetriebs sind in ständigem Austausch, wie die Probleme gelöst und die Mitarbeiter geschützt werden können. Mittlerweile wurde ein privater Sicherheitsdienst engagiert, um die Situation auf dem Recyclinghof in den Griff zu bekommen und den Verkehr zu regeln. „Wir haben zudem einen Gewaltpräventionstrainer über die Stadt engagiert, der die Mitarbeiter schult.“ Deeskalation müsse geübt werden.

Ständiger Druck macht krank

Manfred Thelens ist sichtlich frustriert: „Selbst in Verwaltungsgebäuden wurde ein Sicherheitsdienst installiert. Von anderen Kommunen hören wir, dass Gegenstände, die früher auf den Schreibtischen standen, heute festgeschraubt werden, damit sie nicht nach den Mitarbeitern geworfen werden können. So weit sind wir gekommen!“ Der Kraftfahrer spricht nicht nur von den Erfahrungen seiner direkten Kollegen der Abfallwirtschaft. Als Gesamtpersonalrat der Stadt Aachen hört er von vielen Fällen, quer durch die Stadt: Ob in Kindergärten und Schulen, bei der Feuerwehr oder am Theater – es gebe kaum einen öffentlichen Bereich, der von Beleidigungen und Gewalt verschont bliebe.

Letzte Stellschraube: Härtere Justiz

Was verschärfend hinzukomme: Kaum Konsequenzen für Fehlverhalten. Thelens Geschäftsführung bringt verbale oder physische Gewalt gegen die Mitarbeiter des Stadtbetriebs immer wieder zur Anzeige. Doch die Verfahren verlaufen viel zu oft im Sande, werden eingestellt. „Das demotiviert die Mitarbeiter extrem“, weiß der Aachener. „Wir arbeiten alle im Sinne der Bürger, für die Bürger. Und wenn man dann geschlagen, angepöbelt oder bespuckt wird, da verliert man doch den Glauben an den Job.“ Die Politik müsse ihre Leute besser schützen, hinter ihnen stehen.

Quelle: Beamten-Magazin 05/2020

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