„Die Herausforderungen steigen“; Interview

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„Die Herausforderungen steigen“

Interview mit der dänischen Botschaftsrätin Lone Skak-Nørskov,
Digitalisierung bei der Königlichen Dänischen Botschaft, Berlin

Deutschland liegt bei der Digitalisierung des öffentlichen Dienstes in internationalen Vergleichen allenfalls im Mittelfeld. Doch die Politik will aufholen und hat mit dem Portalverbund, dem Bürgerkonto und dem Onlinezugangsgesetz entsprechende Grundlagen gelegt. Damit steht insbesondere die Verwaltung vor einer der größten Veränderungen in ihrer Geschichte. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder nach Norden geschaut. Eines der erklärten Vorbilder ist Dänemark. Wir haben die dänische Botschaftsrätin in Berlin, Lone Skak-Nørskov, zu den Gründen befragt.

Dänemark ist zum Weltmeister der Digitalisierung gekürt worden. Die Dänen belegen nach dem „DESI“, dem Digital Economy and Society Index, aktuell den ersten Platz. Wie hat Dänemark das erreicht?

Viele Faktoren haben da eine Rolle gespielt, aber ich denke es war wesentlich, dass wir uns gemeinsam Ziele gesetzt haben. Wie zum Beispiel, dass 80 Prozent der schriftlichen Kommunikation mit dem Öffentlichen Sektor digital sein muss. Wir haben sowohl einzeln als auch gemeinsam daran gearbeitet, die gesetzten Ziele zu erreichen. Daher ist heute der digitale Bürger eher die Regel und nicht die Ausnahme. Ein weiterer entscheidender Faktor ist meiner Meinung nach, dass wir schrittweise eine starke nationale digitale Infrastruktur aufgebaut haben. Ein wichtiges Element dabei ist unsere digitale ID, die sowohl für die Kommunikation mit der öffentlichen Verwaltung als auch für Online-Banking, Versicherungen und sogar für Terminvereinbarungen beim Friseur verwendet wird. Die digitale ID war eine Voraussetzung dafür, dass die Prozesse von Anträgen, wie zum Beispiel für Wohngeld, digital durchgeführt werden können, von der Antragstellung bis hin zur Zahlung.

Dänemark hat schon vor Jahren begonnen, seine Verwaltung zu digitalisieren. Bürgerinnen und Bürger aber auch Unternehmen regeln sämtliche Behördengänge komplett digital, egal ob Unternehmensgründung, Scheidung oder Kindergeld. Warum hat Dänemark so früh den Schwerpunkt auf die Digitalisierung gelegt?

Unsere Auffassung ist, dass wir aufgrund der demografischen Entwicklung keine andere Möglichkeit hatten unseren Wohlfahrtsstaat aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe der Digitalisierung ist es möglich, den gleichen oder sogar einen besseren Service für geringere Kosten anzubieten. Darüber hinaus erwartet die Bevölkerung und nicht zuletzt auch die Unternehmen, dass die Kommunikation und Interaktion mit dem öffentlichen Sektor so einfach ist wie zum Beispiel online einzukaufen. Es haben sich daher alle staatlichen und kommunalen Behörden angeschlossen und wir konnten im öffentlichen Sektor eine breite Digitalisierung durchführen.

Was sind aus Ihrer Sicht Erfolgsfaktoren in Dänemark und lassen sich diese auch auf andere politische Systeme übertragen?

Ich denke, es ist wichtig, keine Angst vor Fehlern zu haben, aus unseren Fehlern zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen. Darüber hinaus ist es wichtig zu akzeptieren, dass nicht jeder digital wird oder sich online zurecht findet. Ich denke auch, dass es entscheidend war, dass alle drei dänischen Regierungsebenen zusammengearbeitet haben: Staat, Region und Gemeinde. Wenn wir nicht einig über den gleichen Weg und die Finanzierung geworden wären, glaube ich nicht, dass wir es so weit geschafft hätten. Ich sehe keinen Grund dafür, dass andere politische Systeme nicht ein ähnliches Maß an Digitalisierung erreichen können, aber ich denke, dass die Wege zum Ziel nicht immer gleich sind.

Quelle: Beamten-Magazin 05/2019

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