„Auch die Polizei wird moderner ausgestattet. Ein Zurück gibt es nicht.“; Interview

„Auch die Polizei wird moderner ausgestattet. Ein Zurück gibt es nicht.“

 

Foto: S. Meurer, Polizeipräsidium Rheinland-Pfalz, Einsatz Logistik und Technik

Seit 16. Oktober 2017 testen 130 PolizistInnen in sechs Pilotdienststellen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland u.a. eine App zur Aufnahme von Unfällen und Strafanzeigen. Dazu wurden sie mit mobilen Endgeräten ausgestattet. Ende 2018 sollen die Geräte breiter eingesetzt werden – sofern die Haushaltsmittel reichen. Carmen Schweickardt vom Dezernat Informations- und Kommunikationstechnik über mobiles Arbeiten im Polizeidienst.

Was versprechen Sie sich von der Sachbearbeitungs-App (SB-APP), die im Rahmen des Piloten Mobiles Arbeiten Polizei (MoAP) von den KollegInnen im Wechselschichtdienst getestet werden?

Ziel ist es, die Arbeit vor Ort effektiver zu machen, sie im Nachgang auf der Dienststelle zu reduzieren. So gewinnen wir Zeit für Prävention. Was früher mit Block und Bleistift aufgenommen wurde, geben die KollegInnen nun per Smartphone in die App ein; die Daten werden automatisch in unser polizeiliches Zentralsystem übertragen. Doppelarbeit verschwindet. Jetzt erfolgt nur die PC-Nachbearbeitung, die eine Verkehrsunfall- oder Strafanzeigenaufnahme erfordert. Schon 2015 haben wir den polizeilichen Multimedia Messenger (poMMes) zur sicheren Kommunikationsunterstützung vor Einführung im Rahmen eines Piloten mit unserer Spezialeinheit getestet. Mit der Erprobung der SBAPP kommen wir in einen größeren Kreis der Beteiligten.

Sie haben für den Piloten zwei kleine, zwei mittlere und zwei große Dienststellen ausgewählt. Von den Dienststellen wurden je zwei Dienstgruppen benannt, die die komplette Altersstruktur abdecken. Es war also keine Teilnahme auf freiwilliger Basis. Haben – insbesondere – Ältere Sorgen, dass sie technisch abgehängt werden?

Die Reaktionen der KollegInnen waren zunächst gemischt. Wir geben ihnen hier ja etwas ganz Neues an die Hand. In den Vorlauf war auch der Personalrat zur Zustimmung eingebunden. Wir haben die mobilen Endgeräte frühzeitig ausgegeben, damit sich die KollegInnen mit den Funktionen vertraut machen konnten. Gleichzeitig wurden sie geschult. Bei Fehlermeldungen und Problemen konnten sie sich an die Projektleitung wenden. Per E-Mail-Fragebogen können die Pilotbeteiligten ihr Feedback geben. Aufgrund der Rückmeldungen haben wir die App so angepasst, dass sie einfach zu bedienen ist und Jüngere wie Ältere gut damit zurechtkommen.

Wie reagieren die BürgerInnen auf „mobile BeamtInnen“?

Unterschiedlich. Es ist ein neues Bild in der Öffentlichkeit, wenn PolizistInnen mit Smartphone in der Hand auf der Straße stehen. Wir haben die BürgerInnen darüber aufgeklärt, dass die BeamtInnen sich um ihre Belange kümmern und sich nicht etwa mit dem Handy vergnügen. Über diese Endgeräte kommt man gar nicht an öffentliche Apps für den privaten Gebrauch. Wir haben an den Präsidialstandorten, wo die KollegInnen die App getestet haben, Infos an die Presse und über unseren Facebook-Account gegeben: Hier sind Uniformierte mit Smartphone im Dienst, sie testen eine neue mobile Ausstattung. Es gab viele positive Rückmeldungen. Unfallbeteiligte fanden zum Beispiel, dass die Aufnahme relativ schnell und unkompliziert funktioniere. Und dass die Polizei nun weg vom unnötigen Schreibkram hin zu mehr Prävention komme.

Wie steht es mit dem Datenschutz für die KollegInnen – ist Überwachung durch Ortung möglich?

Auf diesen Handys sind nur dienstliche Apps installiert, die keine Ortungsfunktion haben. Unser Smartphone wird zwar erkannt und bei Verlust gibt es die Möglichkeit der Fernlöschung über das „Mobile Device Management“ (MDM). Es zeigt aber nicht an, wo sich der Kollege befindet. Über MDM managen wir auch unsere mobilen Endgeräte automatisiert mit den dienstlichen APPs. Wir haben sehr hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit. Wir sind die Polizei: Nichts, was sich auf dienstlichen Endgeräten befindet, ist für Dritte bestimmt.

Was sind die nächsten Schritte?

Ein Workshop mit den PilotteilnehmerInnen ergab Nachbesserungswünsche: etwa eine Stiftbearbeitung am Handy. Wir müssen die Gerätestrategie anpassen. Die KollegInnen, die jetzt neue Geräte haben, werden sie auch nach Abschluss des Piloten behalten. Wir bleiben mit ihnen im Austausch. Die nächsten Neuerungen kommen bestimmt. Ein Zurück gibt es nicht.

Das Gespräch führte Claudia Falk

Quelle: Beamten-Magazin 05/2018

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