»Das außerdienstliche Leben strebt gegen Null«; Interview

»Das außerdienstliche Leben strebt gegen Null«

Erfahrungen mit dem Wechselschichtdienst

Zur Person // Frank Hellert ist Erster Polizeihauptkommissar und Dienstgruppenleiter bei der Bundespolizei am Berliner Hauptbahnhof. Er ist 59 Jahre alt, seit 1979 verheiratet und hat zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Frank Hellert ist Mitglied der GdP. Im Gespräch mit dem Magazin für Beamtinnen und Beamte berichtet er von seinen langjährigen Erfahrungen mit dem Wechselschichtdienst.

magazin // Wie sieht eine typische Arbeitswoche im Wechselschichtdienst aus? Wie ist die Schichtfolge?

Frank Hellert // Also die Schichtfolge geht immer nach vorn, das heißt beginnend vom Frühdienst über den Spätdienst zum Nachtdienst. In einer langen Woche ist am Samstag und Sonntag Früh-, Montag und Dienstag Spät- und Mittwoch und Donnerstag Nachtdienst. Freitag komme ich aus dem Nachtdienst, das Wochenende ist dann frei. Frühschicht heißt eine Dienstzeit von 6 bis 14 Uhr, Spätdienst von 14 bis 22 Uhr und Nachtdienst von 22 bis 6 Uhr. Also das sind die reinen Dienstzeiten, die das System vorgibt. Da wir einen relativ flexiblen Dienstplan haben, kann ich auch früher beginnen bzw. aufhören, wenn ich meine 41 Stunden je Woche einhalte. Das nutze ich. Nach dem Frühdienst habe ich damit Zeit, eines meiner Enkelkinder abzuholen. Im Spätdienst komme ich so früher ins Bett und nach dem Nachtdienst schneller nach Hause. Die Straßen sind frei und ich sehe meine Frau am Morgen noch. Meine Frühschicht beginnt deshalb um 4:30, die Spätschicht um 12:30 und der Nachtdienst um 20:30 Uhr.

magazin // Wann klingelt da der Wecker, wann geht es ins Bett?

Frank Hellert // Der Wecker klingelt um 3:15 Uhr und dann geht es zum Frühdienst. Nach dem Nachtdienst bin ich gegen 6 Uhr im Bett, zum Einschlafen etwas Radio hören oder kurz in ein Buch sehen. Aufstehen um 13 Uhr in der Woche, am Wochenende 15 Uhr. Nach dem letzten Nachtdienst wird wachgeblieben, um dem Körper vorzugaukeln, am Abend müde zu sein und dann besser einzuschlafen.

magazin // Was ist für Sie persönlich das Belastende an der Arbeit in Wechselschicht?

Frank Hellert // Belastend an der Schichtarbeit ist für mich einmal, dass ich Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen habe. Die Tage, die zur Erholung vom Schichtdienst dienen sollen, reichen nicht aus. Außerdem muss die Familie das Leben, ihre Termine nach meinen Schichtplänen gestalten. Das funktioniert nicht immer, ich kann viele wichtige Termine nicht wahrnehmen. Das außerdienstliche Leben strebt gegen Null. Freundschaften bestehen in der näheren Umgebung, werden unregelmäßig gepflegt. Rein körperlich kommt es schon mal zu Unwohlsein im Magen-Darm-Bereich. Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die Art der Nahrung sind teilweise nicht geeignet. Oder besser gesagt: ärztlich nicht empfohlen. Aber nachts um halb 4 schmeckt halt auch mal der Döner.

magazin // Seit wann arbeiten Sie in Wechselschicht? Empfinden Sie heute eine größere Belastung als früher?

Frank Hellert // Im Wechselschichtsystem tätig bin ich seit 1980. Natürlich steckt man als junger Mensch den Schichtdienst besser weg als heute mit fast 60. Da schlägt schon mal die Müdigkeit um 2 Uhr zu. Als Dienstgruppenleiter gibt es eine Menge Papier zu beschreiben, dann geht es raus auf Streife, wach werden, um dann wieder weiter zu schreiben. Man fühlt sich spürbar älter. Hier ein Zipperlein, da ein Klagen. Man wird langsamer und muss aufpassen, nicht gleichgültig zu werden. Nicht was den Dienst betrifft, sondern seiner außerdienstlichen Umwelt gegenüber.

magazin // Wenn Sie sich etwas wünschen könnten: Worauf sollte Ihrer Meinung nach der Schwerpunkt liegen, wenn es um eine vernünftige Entlastung geht?

Frank Hellert // Grundsätzlich werden wir als Bundespolizisten meiner Ansicht nach sehr gut alimentiert. Aber ab einem bestimmten Alter sollte der Dienstherr keine uniformierten Polizisten mehr auf Streife schicken. Es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, die dienstälteren Kollegen in anderen Bereichen einzusetzen. Die derzeitige wöchentliche Arbeitszeit sollte gekürzt werden. Das sogenannte Gesundheitsmanagement sollte hier stärker auf die Bedürfnisse der Schichtdienstleistenden eingehen. Nicht der Schichtdienstleistende sollte zum Gesundheitsmanagement gehen, sondern genau umgekehrt! Die dort geplanten Maßnahmen sollten in den Inspektionen, also an der Basis angeboten werden. Und prophylaktische Kurangebote in regelmäßigen Abständen wären sinnvoll, ausgerichtet auf die Erschwernisse des Wechselschichtdienstes.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2018

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