Arbeiten in der Bundesverwaltung; Bund

Arbeiten in der Bundesverwaltung

Sicher, aber ungesund?

Mitte November war es wieder soweit. Das Bundesministerium des Innern hat mit dem Gesundheitsförderungsbericht aktuelle Zahlen zum Krankenstand in der unmittelbaren Bundesverwaltung veröffentlicht. Soviel vorab: Die krankheitsbedingten Fehlzeiten haben ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Und das, obwohl der Krankenstand in Deutschland erstmals seit langem nicht weiter gestiegen ist. Zu den Ursachen für den neuerlichen Höchststand macht der Bericht keine Angaben.

Es war im März dieses Jahres als die Techniker Krankenkasse (TK) bekannt gab, dass der Krankenstand in Deutschland laut eigener Erhebungen erstmals seit zehn Jahren leicht gesunken sei. Im Jahr 2016 waren Erwerbspersonen zwar etwa genauso oft krankgeschrieben wie im Vorjahr, dafür im Schnitt etwas kürzer. Auch die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) kam zu dem Ergebnis, dass der Krankenstand im allgemeinen Trend zumindest gleich geblieben sei. Und wie sieht es in der Bundesverwaltung aus?

Fehltage erneut gestiegen – neues Allzeit-Hoch erreicht

Mitte November veröffentlichte das Bundesministerium des Innern (BMI) den Gesundheitsförderungsbericht 2016 der unmittelbaren Bundesverwaltung und damit neue Zahlen zum Krankenstand. Demnach waren die Bediensteten der Bundesministerien und nachgeordneten Behörden im Durchschnitt an 20,77 Arbeitstagen krank oder in Rehabilitationsmaßnahmen. Dies ist ein weiterer Anstieg gegenüber den Vorjahren – 2015 waren es 20,25, im Jahr 2014 noch 19,25 krankheitsbedingte Fehltage.

Zum Vergleich: Durchschnittlich 15,25 Fehltage war die einzelne Erwerbsperson bei der TK krankgeschrieben. Und bei der AOK fehlte jeder Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Allerdings unterscheiden sich die Krankenkassen in ihrem Profil und ein Vergleich der Krankenstände zwischen Verwaltung und Wirtschaft ist aufgrund unterschiedlich erhobener Daten nur eingeschränkt möglich. Dennoch lassen sich Tendenzen ableiten.

Statistik alleine hilft nicht weiter

Der neuerliche Negativrekord ist laut Bericht insbesondere auf einen Anstieg der Langzeiterkrankungen von mehr als 30 Tagen zurückzuführen. Längere Erkrankungen zwischen vier und 30 Tagen sind dagegen leicht gesunken, machen aber mit knapp 45 Prozent noch immer den Löwenanteil aus. Bei Kurzzeiterkrankungen ist wiederum ein leichter Anstieg zu beobachten, allerdings bilden sie den geringsten Anteil. Wie auch in den vergangenen Jahren sind bei einer Betrachtung nach Merkmalen wie Status- und Laufbahngruppe, Alter, Geschlecht und Behördengruppe zum Teil erhebliche Unterschiede bei der Anzahl der Fehltage zu verzeichnen. So gilt der Grundsatz „Je höher die Laufbahn, desto niedriger der Krankenstand“ noch immer. Während Beschäftigte im höheren Dienst durchschnittlich an 10,10 Tagen fehlten, waren es im einfachen Dienst 31,57 Tage.

Verteilung der Krankheitsdauer in der unmittelbaren Bundesverwaltung

Quelle: BMI: Gesundheitsförderungsbericht 2016 der unmittelbaren Bundesverwaltung, S. 52.

Steigende Fehlzeiten hängen dabei oftmals mit dem zeitgleich weiter steigenden Altersdurchschnitt zusammen. Ältere Beschäftigte sind öfter und auch länger krank. Ungeklärt ist dagegen, warum die Fehlzeiten insbesondere in den unteren Laufbahngruppen so hoch ausfallen.

Ursachen weiter unklar

Zu den Ursachen für die Entwicklung liefert der Bericht wenig Konkretes. Das BMI betont, dass krankheitsbedingte Abwesenheiten einer Vielzahl von Einflussgrößen unterliegen und die Abwesenheitsquote für sich allein betrachtet nur einen geringen Aussagewert habe. Entscheidend sei vielmehr die Einbindung der vorliegenden Analyse in ein ganzheitliches Konzept des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Und das – betont das Ministerium – liege in Verantwortung der einzelnen Behörden. Heißt im Klartext: Wir erfassen zwar alle Daten, die Ursachen muss aber jeder selber suchen und bekämpfen.

Aus Sicht des BMI mag diese Erklärung plausibel erscheinen. Allerdings steht sie im Widerspruch zu den steigenden Fehlzeiten und zu dem erklärten Ziel einer systematischen Gesundheitsförderung in der Bundesverwaltung. Ein Blick auf die Krankenstände in den verschiedenen Behörden lässt zudem vermuten, dass die Gestaltung gesunder Arbeit einen unterschiedlichen Stellenwert besitzt. Die Fehlzeiten variieren etwa zwischen 12,73 Tagen im Auswärtigem Amt und 25,24 Tagen bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. „Der erneute Negativrekord bei den Fehlzeiten macht deutlich, dass der bisherige Ansatz nicht der richtige ist. Solange wir nur Statistiken führen, die krankmachenden Faktoren aber ausblenden oder die Verantwortlichkeiten abschieben, solange werden alle Maßnahmen für gesunde Arbeit ins Leere laufen“, kommentiert Elke Hannack, stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende, den aktuellen Bericht. Der DGB sieht daher neben einer erforderlichen ressortübergreifenden Ursachenermittlung auch die Stärkung der Verantwortung und Steuerung des BGM an zentraler Stelle als zielführend an, wenngleich die Umsetzung von BGM-Prozessen weiterhin in den Behörden bleiben könnte. Gesunde Arbeitsbedingungen dürfen aber nicht abhängig vom Haushalt und Willen der einzelnen Behörde sein.

BGM Schwerpunktpapier: Ziele setzen

An Ansätzen, Ideen und Handreichungen wie man gesunde Arbeit sicherstellt, mangelt es dabei nicht. Der Gesundheitsförderungsbericht umfasst auch diesmal ein sogenanntes Schwerpunktpapier, welches die 2013 vorgelegten „Eckpunkte für ein Rahmenkonzept zur Weiterentwicklung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Bundesverwaltung“ ergänzt. Die Schwerpunktpapiere werden vom Ressortarbeitskreis Gesundheitsmanagement entwickelt, in dem auch der DGB mitarbeitet. Nach und nach sollen die Leitfäden das BGM der Bundesverwaltung mit Leben füllen.

Das aktuelle Schwerpunktpapier widmet sich den Zielen und Strukturen im BGM. Gezeigt wird, wie wichtig Ziele sind und wie diese für ein nachhaltiges BGM entwickelt werden können. Darüber hinaus wird aufgezeigt wie entsprechende Strukturen – also Gremien, Verantwortlichkeiten, Budgets und Entscheidungswege – geschaffen werden können, um einen „wirksamen BGM-Prozess“ zu erreichen.

Quelle: Beamten-Magazin 11-12/2017

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