Wechselschichtdienst mit Dienstvereinbarung erträglicher gemacht; Interview

Wechselschichtdienst mit Dienstvereinbarung erträglicher gemacht

Arbeitszeit und Mitbestimmung – wie geht das am besten zusammen? Mit der „Dienstvereinbarung über die Gestaltung der Arbeitszeit“ hat der Personalrat der Polizeidirektion Neumünster die Arbeitszeitplanung für den Wach- und Wechselschichtdienst gesundheitsfreundlicher gemacht. Der Vorsitzende des örtlichen Personalrats, Carsten Gross, hat uns Fragen zur Ausgestaltung der mit dem Deutschen Personalräte-Preis 2015 gekrönten Initiative beantwortet.

magazin // Ein ständiger Wechsel von Früh-, Spät- und Nachtdienst gilt als besonders belastend. Unter welchen Rahmenbedingungen arbeiteten ihre Kolleginnen und Kollegen vor dem Abschluss der Dienstvereinbarung im Jahr 2012?

Carsten Gross // Die Kolleginnen und Kollegen in den Revierdiensten arbeiteten und arbeiten nach wie vor im Wechselschichtdienst. Nach Auflösung der starren Schichtgefüge im Jahre 2002 zu Gunsten eines großen Mitarbeiterpools ist dieser individuell flexibler planbar geworden, so dass sich private Bedürfnisse und Erfordernisse besser in den Arbeitsalltag einfügen lassen. Zum Teil waren durch verschiedene Umstände pro Jahr über 1.100 Nachtdienststunden zu leisten, hinzu kam der Umstand, dass aufgrund wahrzunehmender Sondereinsätze über große Zeiträume kein „freies Wochenende“ möglich war. Hier sollten durch die Dienstvereinbarung verlässliche Schutzfunktionen für die Kolleginnen und Kollegen installiert werden.

magazin // Wie hat sich der Arbeitsalltag mit Hilfe der Dienstvereinbarung verändert?

Carsten Gross // Wie bereits gesagt, ist der dienstliche Alltag durch individuelle Gestaltungsspielräume flexibler geworden. Die Einführung einer Nachtdienstobergrenze von 800 Stunden, die Begrenzung auf maximal acht monatliche Nachtdienste sowie höchstens drei aufeinander folgende Nachtdienste trägt erheblich dazu bei, den gesundheitlich sehr belastenden Wechselschichtdienst erträglicher zu machen.

magazin // Inwieweit können die Polizistinnen und Polizisten die Lage ihrer eigenen Arbeitszeit beeinflussen?

Carsten Gross // Hinsichtlich unvorhersehbarer Lagen, wie zum Beispiel kurzfristigem Demonstrationsgeschehen, hat sich die Situation durch einen festgelegten zusammenhängenden Mindestregenerationszeitraum von mindestens 72 Stunden gebessert. Eingriffe in diese Regenerationszeit sind nur in Ausnahmefällen zulässig und berichtspflichtig.

magazin // Die Mindestregenerationszeit gilt als besonders akzeptiert bei den Beschäftigten. Was beinhaltet sie?

Carsten Gross // Es wurde für einen Vier-Wochen-Zeitraum eine mindestens einmalige Mindestregenerationszeit von zusammenhängenden 72 Stunden vereinbart, die nach Möglichkeit am Wochenende zu planen ist. Insbesondere dient diese Bestimmung der Pflege des Familienlebens und der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte im persönlichen Umfeld. In der Tat ist dieser Teil der Dienstvereinbarung elementar und hochakzeptiert.

magazin // Die Dienstvereinbarung dient mittlerweile als Vorbild und hat bundesweit das Interesse von Dienststellen geweckt. Eine motivierende Bestätigung Ihres Einsatzes?

Carsten Gross // Auf jeden Fall. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir unsere Regelungen und die Erfahrungen damit weitergeben können. Dienststellen in Niedersachsen, im Saarland, in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz haben sich beraten lassen.

Quelle: Beamten-Magazin 03/2017

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