Heute schon Pause gemacht?; Gewerkschaften

Nach ver.di-Berechnungen fehlen in Krankenhäusern bundesweit 162.000 Stellen. In allen Berufsgruppen der Krankenhäuser ist mehr Personal nötig, um eine gute Versorgung der PatientInnen gewährleisten zu können, allein in der Pflege fehlen 70.000 Stellen. Nicht nur die PatientInnen leiden unter der Personalnot, sondern auch die Beschäftigten. Im ver.di-Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen läuft deshalb eine bundesweite Bewegung für mehr Personal im Krankenhaus – auf politischer und betrieblicher Ebene.

Chronischer Personalmangel

Der Personalmangel betrifft Krankenhäuser aller Träger – ganz gleich ob öffentlich, freigemeinnützig, konfessionell oder privat. „In vielen Kliniken kann die Versorgung nur noch gewährleistet werden, weil die Beschäftigten alles aus sich rausholen. Das geht nur auf Kosten der eigenen Gesundheit“, sagt Sylvia Bühler, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands. Die Beschäftigten seien nicht länger bereit, ständig auf ihre gesetzlich vorgeschriebenen Pausen zu verzichten und regelmäßig aus ihrem freien Wochenende zu kommen, um den chronischen Personalmangel individuell auszugleichen.

Für PatientInnen hat der chronische Personalmangel schwerwiegende Folgen: Empirische Studien zeigen, dass sich die Personalbemessung unter anderem auf das Risiko von Infektionen, Thrombosen und Todesfällen durch zu spät erkannte Komplikationen auswirkt. Deutschland stehe beim Zahlenverhältnis von Pflegekräften zu PatientInnen oft schlechter da als andere Industrieländer, schreibt die Hans-Böckler-Stiftung in einer neuen Studie. Gesetzlich festgelegte Mindestschlüssel könnten Arbeitsüberlastung und Qualitätsmängel lindern, so die Forscher.

Viel zu geringe Investitionen

Eine wesentliche Ursache der Personalnot liegt laut ver.di im Verhalten der öffentlichen Hand. Seit Jahren verletze diese ihre gesetzliche Pflicht und zahle für Krankenhäuser viel zu geringe Investitionskosten. „Krankenhausträger zwacken deshalb für Neubauten, Renovierungen und Großgeräte Geld ab, das die Krankenkassen für die Krankenversorgung im laufenden Betrieb überweisen. Geld, das für Personal gedacht ist, wird zweckentfremdet. Baustellen werden mit Personalstellen finanziert“, heißt es in einer ver.di-Resolution aus November 2016. Es müsse endlich eine gesetzliche Personalbemessung her.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, rief ver.di für den 21. Februar zu einem Krankenhausaktionstag auf. Unter dem Motto „Heute schon Pause gemacht?“ haben Beschäftigte in Krankenhäusern bundesweit demonstrativ ihre gesetzlich vorgeschriebene Pause genommen. Für die bleibt im Alltag wegen des Personalmangels oft keine Zeit.

Quelle: Beamten-Magazin 02/2017

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