Für die Feuerwehr im Einsatz, Arno Dick; Gastbeitrag

Für die Feuerwehr im Einsatz

von Arno Dick, Bundesfachgruppenleiter Feuerwehr in der ver.di Bundesverwaltung

Foto: ver.di – Bundesfachgruppe Feuerwehr

Feuerwehrleute genießen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Trotzdem wissen die meisten Menschen nur wenig über ihre Arbeitsbedingungen. Der Anblick eines roten Feuerwehrfahrzeugs, das mit hohem Tempo, Blaulicht und Einsatzhorn die Mannschaft zur Einsatzstelle fährt, die Signalwirkung der Schutzkleidung der Feuerwehrleute – all dies ist so spektakulär, dass sich kaum jemand Gedanken über ihre Arbeitsbedingungen vor, während und nach dem Einsatz macht.

Immer neue Herausforderungen

Seit Jahrzehnten haben immer neue Herausforderungen und Reformen des Feuerwehrdienstes dazu geführt, dass die Feuerwehren überall mit immer umfassenderen Einsatzbereichen beauftragt wurden. Der abwehrende Brandschutz ist heute nur eine von zahlreichen Aufgaben, die technischen Hilfeleistungen und die Rettungsdiensteinsätze nehmen stark zu und die Feuerwehren entwickeln sich zu Hilfeleistungsorganisationen.

Die Arbeit der Feuerwehrfrauen und -männer zeichnet sich durch ein hohes Maß an berufsbedingten Risiken aus – niemand wird dies in Frage stellen. Es gibt keinen Einsatz, bei dem das Verletzungsrisiko der Einsatzkräfte vernachlässigbar gering ist. Wer den Mut hat und bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, um das Leben anderer zu retten, verdient unsere höchste Anerkennung.

Wir brauchen eine Sicherheits- und Gesundheitskultur

Bei einem Feuerwehreinsatz muss immer eine sorgfältige Abwägung aller Risiken unter Berücksichtigung der Dringlichkeit des Einsatzes und der mit jedem Einsatz verbundenen Gefährdung von Menschenleben erfolgen. Wenn Menschen gerettet werden müssen, kann ein hohes Risiko als „akzeptabel“ eingestuft werden. Dieser Risikobereitschaft sind aber Grenzen zu setzen und es müssen alle verfügbaren Präventions- und Schutzmöglichkeiten eingesetzt werden, damit Unfälle und berufsbedingte Erkrankungen verhindert werden.

Die Devise „Retten auch um den Preis des eigenen Lebens“ ist nicht mehr zeitgemäß – wir brauchen heute keine Risikokultur, sondern eine Sicherheits- und Gesundheitskultur. Das komplexe Verhältnis zwischen effektivem Eingreifen der Feuerwehr und gleichzeitigem Schutz der Gesundheit der Einsatzkräfte ist für ver.di Grund genug, sich stärker in diese Thematik einzubringen. So hat die Fachgruppe Feuerwehr in der Diskussion über das Krebsrisiko bei Feuerwehrleuten schon frühzeitig den Fokus auf die Notwendigkeit von erhöhter Einsatzhygiene zur Verringerung der Kontamination gelegt und beteiligt sich im Rahmen des „firefightersnetwork“ des Europäischen Gewerkschaftsverbands für den öffentlichen Dienst an europäischen Lösungen, etwa zur Revision der Krebsrichtlinie und in Deutschland im Projekt „Krebsrisiko im Feuerwehrdienst“ der gesetzlichen Unfallversicherung.

Angriffe nehmen zu

In einigen europäischen Ländern – auch in Deutschland – kommt es seit einiger Zeit verstärkt zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Die Ursachen sind vielfältig, wobei Feuerwehrleute oft mit der Staatsgewalt (Polizei) gleichgesetzt werden. Diese Angriffe gefährden nicht nur die körperliche Unversehrtheit sondern auch die mentale Gesundheit und können zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen. Feuerwehrleute, die derartigen Angriffen ausgesetzt werden, verlieren schnell die Motivation, zweifeln ihre Berufswahl an und stellen die Sinnfrage.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung: „Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes“ von DGB und Hans-Böckler-Stiftung im März 2016 haben u.a. folgende Forderungen erhoben: Vorfälle statistisch erfassen, alle Vorfälle zur Anzeige bringen, Unterstützung durch Vorgesetzte und Nachbetreuung, angemessene Personalausstattung des öffentlichen Dienstes, Aus- und Fortbildung zum Thema, gesamtgesellschaftlicher Wertedialog. Die ver.di Fachgruppe Feuerwehr fordert darüber hinaus die Ausbildungen zur Erhöhung der Sozial- und Konfliktkompetenz der Einsatzkräfte. Die aktive oder defensive Aufrüstung durch Pfefferspray, Schutzwesten, Kampftraining, usw. wird abgelehnt, da sie eine falsche Sicherheit suggeriert, die Gefahr durch Aggressionssignale steigern kann und nachhaltig den gesellschaftlichen Schutz des Helfenden durch Gewaltlosigkeit und Unantastbarkeit gefährdet. Allerdings ist es dringend notwendig und geboten, spezielle Trainings zur Abwehr von Attacken in engen geschlossenen Räumen – z.B. Rettungswagen – zu entwickeln und anzubieten. Wichtig ist die regelmäßige Aus- und Weiterbildung der Einsatzkräfte und die Berücksichtigung dieser Maßnahmen bei der Personalbemessung.

Bessere Personalausstattung!

Der Schlüssel der Lösung vieler Probleme liegt ohnehin in der besseren Personalausstattung der Feuerwehren. Ob es sich um den Aufgabenzuwachs, die steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst, die notwendigen Gewaltpräventionsschulungen, die Umsetzung von Einsatzhygienekonzepten zur Verringerung von Kontaminationsrisiken oder den Dienstsport handelt, ohne zusätzliche Belastung der ohnehin schon überlasteten Kolleginnen und Kollegen durch zusätzliche Feuerwehrleute wird es nicht gehen; so dass die wichtigste gewerkschaftliche Forderung für das Jahr 2017 nur „mehr Personal“ lauten kann.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2017

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