Bad Practice öffentlicher Dienst; Studie

Bad Practice öffentlicher Dienst

Befristete Beschäftigung

Der Staat als Arbeitgeber vergibt häufiger befristete Arbeitsverträge als die Privatwirtschaft. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Jetzt liegen aber fundierte Zahlen vor. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat den Forschungsbericht „Befristete Beschäftigung im öffentlichen Dienst – Entwicklung, Motive und rechtliche Umsetzung“ veröffentlicht. Die Studie hatten die Gewerkschaften in Auftrag gegeben, nachdem die öffentlichen Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen 2014 bezweifelt hatten, dass ihre Befristungspraxis im Vergleich zu anderen Arbeitgebern ein besonderes Problem darstelle.

Von 10,3 auf 16,1 Prozent

Lässt man die BeamtInnen außen vor, die ohnehin nur sehr selten befristet tätig sind, dann waren 2014 in Deutschland 16,1 Prozent der ArbeitnehmerInnen im öffentlichen Dienst (Bund, Länder, Kommunen, Sozialversicherung und Bundesagentur für Arbeit) in einem befristeten Arbeitsverhältnis beschäftigt. 2004 waren es dagegen 10,3 Prozent. Diese Zahlen basieren auf der Personalstandstatistik des öffentlichen Dienstes, einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Ohne den Wissenschaftsbereich sind es hingegen 9,3 Prozent in 2014 (7,0 Prozent in 2004). Die hohe Differenz ist dem Phänomen geschuldet, dass in wissenschaftlichen Einrichtungen über 48,7 Prozent der Stellen befristet sind. 2004 waren es noch 30,1 Prozent. Laut Mikrozensus 2014 sind im öffentlichen Dienst zudem die 25- bis 34-Jährigen mit 28,3 Prozent auffallend häufig befristet eingestellt, während es in der gleichen Altersgruppe in der Privatwirtschaft 10,5 Prozent sind.

Befristungsanteil der ArbeitnehmerInnen im öffentlichen Dienst gesamt (oben) und nach Alter (unten). Quelle: IAB-Forschungsbericht 12/2015 „Befristete Beschäftigung im öffentlichen Dienst“ von Christian Hohendanner, Esther Ostmeier und Philipp Ramos Lobato.

Vergleich mit Privatwirtschaft

Die Auswertung der Personalstandstatistik macht den Trend hin zu mehr Befristungen sichtbar. Ein Vergleich zur Privatwirtschaft ist damit allerdings nicht möglich, da es für die dort Beschäftigten keine vergleichbare Datengrundlage gibt. Deshalb haben die WissenschaftlerInnen die Gegenüberstellung mit der Situation in der Privatwirtschaft mit dem IAB-Betriebspanel, einer repräsentativen Arbeitgeberbefragung, vollzogen. Danach gab es 2014 im öffentlichen Dienst – unter Ausschluss wissenschaftlicher Einrichtungen – 7,4 Prozent Befristungen und in der Privatwirtschaft 6,7 Prozent. Die Abweichung der Zahl im öffentlichen Dienst von der aus der Personalstandstatistik ist darauf zurückzuführen, dass die Erhebungen nicht die gleichen Informationen erfassen.

Ein Erkenntnisgewinn aus dem IAB-Betriebspanel ist nicht zu vernachlässigen. So waren 2014 im gemeinnützigen Dritten Sektor 14,4 Prozent der ArbeitnehmerInnen befristet beschäftigt. Institutionen und Betriebe im Dritten Sektor sind häufig abhängig von öffentlichen Haushalten und Fördermitteln.

Die häufigsten Befristungsgründe

Aufschlussreich sind auch die von den ForscherInnen geführten Interviews in Form einer qualitativen Expertenbefragung. Befragt wurden 29 VertreterInnen von Personalabteilungen und Personalräten in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Den Interviews und den Statistiken konnten die VerfasserInnen die Gründe für die Befristungen entnehmen. Demnach ist die Notwendigkeit eines „befristeten Ersatzbedarfs“ die häufigste Ursache, gefolgt von der „befristeten Finanzierung der Stelle“. Angesichts dieser Motive der öffentlichen Arbeitgeber fordern die WissenschaftlerInnen die ausreichende Finanzierung von Planstellen und empfehlen zur Erhöhung der organisationalen Flexibilität die Schaffung von unbefristeten Vertretungsstellen.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2016

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