Belastungen belegbar machen; Interview

Belastungen belegbar machen

In der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz wurde zwischen 2013 und 2014 im Rahmen des Projekts „proBGV – Belastungen reduzieren, Gesundheit verbessern“ eine Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen mit Hilfe des DGB-Index Gute Arbeit durchgeführt. Über die Umsetzung und die Ergebnisse haben wir die Personalratsvorsitzende Verena Blix befragt.

magazin // In der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz wurde eine Gefährdungsbeurteilung mit Hilfe des DGB-Index Gute Arbeit durchgeführt. Warum fiel die Wahl auf dieses Erhebungsinstrument?

Verena Blix // Wir hatten den Index bereits vor Jahren kennengelernt und waren begeistert, wie flexibel er einsetzbar ist. Wir hatten auch schon mal eine Wandzeitungsbefragung im Rahmen einer Personalversammlung damit gemacht und ihn dann gegenüber der Dienststelle vorgeschlagen. Die Projektgruppe hat mehrere Instrumente geprüft. Uns hat aber insbesondere überzeugt, dass mit dem DGB-Index Gute Arbeit ein Instrument geliefert wird, welches auch Vergleiche und Wiederholungsbefragungen ermöglicht. Als Interessenvertretung war uns wichtig, dass es gleichzeitig ein Beteiligungskonzept gab, bei dem uns externe Berater unterstützt haben.

magazin // Gab es Vorbehalte seitens des Arbeitgebers oder der Beschäftigten gegenüber der Befragung? Wie wurde das Vorhaben kommuniziert?

Verena Blix // Die Gefährdungsbeurteilung kann nur vom Arbeitgeber veranlasst und durchgeführt werden. Der Personalrat hat einen gesetzlichen Auftrag, den Arbeitgeber bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen. Das hat unser Personalrat immer sehr ernst genommen, aber auch unsere Behördenleitung weiß natürlich, dass nur ein gutes Vorbild auch andere Arbeitgeber überzeugen kann. Für die Akzeptanzarbeit haben wir uns viel Zeit genommen und alle Fragen und Bedenken einbezogen. Die Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks hat auch selbst immer wieder glaubwürdig vermittelt, dass sie hinter dem Projekt steht.

magazin // Unter welchen Belastungen leiden die Beschäftigten laut der durchgeführten Analyse am meisten?

Verena Blix // Das sind die widersprüchlichen Anforderungen, die Arbeitsmenge und die Arbeitshetze. Aber auch emotionale Anforderungen aus der Arbeit oder in der Zusammenarbeit wurden als belastend beschrieben.

magazin // Wie können diese Belastungen reduziert werden und wie geht es mit dem Projekt proBGV weiter?

Verena Blix // Das Projekt wurde beendet und die angefangenen Prozesse in die Linie überführt. Damit sie nicht vergessen werden, haben wir in einer Dienstvereinbarung eine Struktur für ein gemeinsames Controlling abgesichert. Die Behördenleitung hat auch weiterhin die Verantwortung für die Umsetzung von Maßnahmen übernommen. Die Kolleginnen und Kollegen haben in rund 17 Workshops ihre Angaben aus der Online-Befragung konkretisiert und Vorschläge zum Abbau von Belastungen gemacht. Diese sollen jetzt in Maßnahmen einfließen – teilweise werden sie aber noch weiter in Qualitätszirkeln diskutiert. Es sind Veränderungsprozesse angestoßen, bei denen viele kleine Mosaiksteine zusammenwirken. Die Gefährdungsbeurteilung ist letztlich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess und man ist damit nie fertig. Allerdings müssen Personalrat und Beschäftigte mitwirken und Verantwortung übernehmen – denn auch hier kommt nichts von selbst. Eine große Ursache von Belastungen sind wie überall die nicht besetzten Stellen bei zum Teil noch wachsenden Anforderungen – das löst die Gefährdungsbeurteilung nicht. Sie macht aber belegbar, dass diese Belastungen da sind. Als Interessenvertretung haben wir jetzt Daten für Taten in der Hand.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2015

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