Strategie: Fehlanzeige; Volker Roßocha; Gastbeitrag

Strategie: Fehlanzeige

Volker Roßocha, Referat Migrationspolitik beim DGB-Bundesvorstand

Wenig Veränderung, aber nach wie vor großen Handlungsbedarf gibt es bei der Beschäftigung von Migrantinnen und Migranten im Bereich des öffentlichen Dienstes, so könnte die aktuelle Lage betitelt werden. Schon im ersten Integrationsplan 2007 hatten sich Bund, Länder und Kommunen verpflichtet, verstärkt für eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst zu werben und damit den Anteil an den Beschäftigten zu erhöhen. Messbare Erfolge auf der Bundesebene gibt es bis heute nicht. Ein Grund dafür ist auch, dass die Bundesregierung – wie sie in der Antwort auf die kleine Anfrage der Fraktion von B90/DIE GRÜNEN im März 2013 (Drs. 17/12889) erläutert – nicht einmal in der Lage ist, den Anteil der Migranten in der Bundesverwaltung zu benennen. Lediglich für die Gruppe der ausländischen Staatsangehörigen liegen Daten der Bundesagentur vor. Danach lag der Anteil der ausländischen sozialversicherten Beschäftigten im Wirtschaftszweig „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung“ im September 2012 nur bei 2,3 Prozent.

Im Mai 2013 wurde, anlässlich des Integrationsgipfels 2013 wiederum betont, dass der Anteil der Migrantinnen und Migranten im öffentlichen Dienst gesteigert werden solle. Nur wenige konkrete Maßnahmen aber weisen erfolgversprechende Perspektiven auf. Die Kampagne „Berlin braucht dich“ beispielsweise hat mit dazu beigetragen, dass inzwischen rund 20 Prozent der Auszubildenden im öffentlichen Dienst einen Migrationshintergrund besitzen.

Bund, Länder und Kommunen brauchen eine Mainstreaming-Strategie, wollen sie erreichen, dass sich die Bevölkerungsstruktur auch in der Verwaltung wieder spiegelt; dies zeigen auch die Erfahrungen der Berliner Kampagne. Verstärkte Kooperationen mit Schulen, Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung und Weiterbildung und eine diskriminierungsfreie Einstellungspolitik gehören dazu. Das Pilotprojekt „Anonymisierte Bewerbungsverfahren“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat gezeigt, dass auch solche Verfahren auch in der öffentlichen Verwaltung erfolgreich angewandt werden können. Die Stadt Celle, die sich an dem Projekt beteiligte, nutzt auch weiterhin anonymisierte Bewerbungsverfahren.

Die Gewerkschaften und der DGB unterstützen mit eigenen Initiativen und Projekten die interkulturelle Öffnung von Verwaltungen. Das DGBBildungswerk hat beispielsweise als ein Ergebnis eines mehrjährigen Projektes im Dezember letzten Jahres eine Handreichung für die Praxis heraus gegeben und erfolgreiche Strategien von Kommunen aufgezeigt.

Quelle: Beamten-Magazin 06/2013

mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2019