Der Mensch steht im Mittelpunkt; Alexander Kirchner; Interview

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Arbeitsverdichtung, die Alterung des Personals und hohe Krankenstände machen auch der Deutschen Bahn zu schaffen. An oberster Stelle muss daher in Zukunft die Rekrutierung qualifizierter Nachwuchskräfte stehen. Arbeitszeiten müssen familienfreundlich gestaltet werden und Fortbildungsmaßnahmen gezielt durchgeführt. Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte" sprach mit Alexander Kirchner, Vorsitzender der EVG, über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Deutsche Bahn und mögliche Ansätze zur künftigen Schwerpunktsetzung.

Welche Auswirkungen ergeben sich beim DB-Konzern aus dem demografischen Wandel?

Bei den Eisenbahnen, und damit auch im DB-Konzern, muss eine große Zahl der Beschäftigten im Schicht- und Wechseldienst arbeiten - selbst am Wochenende oder an Feiertagen. Die Belastungen, die sich daraus ergeben, sind nicht unerheblich. Insbesondere, da rund 44 Prozent der Beschäftigen im DB Konzern älter als 50 Jahre sind. Zudem nimmt die Arbeitsverdichtung stetig zu.

All das trägt nicht zur Motivation und damit zum Erhalt der Leistungsfähigkeit bei. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die DB AG ihre Ankündigung wahr macht und jährlich 7.000 Nachwuchskräfte einstellt. Ansonsten würde sich der heute schon in vielen Bereichen spürbare Personalmangel deutlich verschärfen – und damit die Belastungen der Kollegen weiter zunehmen. Dies zu verhindern ist eine der Aufgaben der EVG.

Wirtschaft und Politik fordern von Beamten und Arbeitnehmern eine längere Lebensarbeitszeit. Wie steht die EVG dazu?

Wirtschaft und Politik müssen endlich die Lebenswirklichkeit zur Kenntnis nehmen. Und die sieht so aus, dass immer weniger Kolleginnen und Kollegen ein immer größeres Arbeitspensum schaffen müssen. Die Grenze des Zumutbaren ist längst erreicht, wenn nicht gar schon überschritten. Die Arbeitsverdichtung hat in den zurückliegenden Jahren erheblich zugenommen. Dies spiegelt sich unter anderem in einem erhöhten Krankenstand wider. Im Bahnkonzern (Inland) betrug dieser im Februar dieses Jahres 6,7 Prozent. Dabei unterscheidet die Bahn richtigerweise nicht nach Beamten und Arbeitnehmern.

Alexander Kirchner Foto: EVG

Der EVG ist wichtig, den Menschen selbst wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Auf die Kollegin und den Kollegen kommt es an, nicht so sehr auf Umsätze und den Gewinn.

Wie kann der Negativtrend beim Krankenstand gestoppt werden?

Bei der Bahn muss an vielen kleinen Stellschrauben gedreht werden. Die Personal- und Betriebsräte der EVG sowie die Vertrauenspersonen der Schwerbehinderten haben dazu bereits zahlreiche Vorschläge gemacht. Die familiengerechte Dienstplangestaltung ist einer der Punkte, der für die Beschäftigten ganz oben auf der Liste der umzusetzenden Maßnahmen steht. Auch gezielte Fortbildungsmaßnahmen werden immer wieder angemahnt.

Mit welchen Problemen schlagen sich die zugewiesenen Beamten bei der Bahn noch herum?

Zahlreiche zugewiesene Beamte sind mit der Laufbahnentwicklung unzufrieden. Dabei sind die Fesseln des öffentlichen Dienstrechts (Stellenplan und Haushaltsrecht) in einem Konzern wie der Bahn oft hinderlich. Hunderte Beamte leisten täglich Dienst auf sogenannten höher bewerteten Arbeitsplätzen. Eine Beförderung und damit mehr Euro in der Geldbörse gibt es oft gar nicht oder erst nach vielen Jahren. Da kommt oftmals Frust auf. Auch die Zulassungszahlen für einen Aufstieg in die nächst höhere Laufbahn sind der EVG und ihren Personalräten zu gering. Das ist ein Dauerbrenner in den Gesprächen, die die EVG mit dem Bundeseisenbahnvermögen immer wieder führt.

"Kasten S. 16 unten"

Quelle: Beamten-Magazin 04/2013

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