Im Fokus: Beamtenversorgung versus Rente; Kommentar

Im Fokus: Beamtenversorgung versus Rente

Kommentar von Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende

Die Meldungen, in denen über hohe Pensionen und niedrige Renten berichtet wird, häufen sich aktuell wieder. Für gewöhnlich lautet das Fazit ungefähr so: Beamte schwämmen im Ruhestand im Geld und das müsse dringend geändert werden. Als Vergleichsmaßstab werden durchschnittliche Rentenansprüche herangezogen. Dabei bleibt eine Differenzierung der beiden gänzlich unterschiedlichen Systeme Beamtenversorgung und Rente sowie eine Gegenüberstellung von Personen mit vergleichbaren Bildungs- und Berufsbiografien bis auf wenige Ausnahmen aus. Vergessen wird meistens auch, dass die Beamtenversorgung die Funktion einer Vollversorgung übernimmt, also einer Rente plus betrieblicher Zusatzrente entspricht.

Kürzlich stellte eine Zeitung sogar fest, die Beschäftigung als Beamter schütze vor Altersarmut. Dies ist mit Blick auf den verfassungsrechtlich verankerten Grundsatz einer amtsangemessenen Alimentation eine interessante Erkenntnis.

Doch während sich Beamtinnen und Beamte im aktiven Dienst zum Beispiel als Polizistin oder Feuerwehrmann besonderer Sympathien in der Bevölkerung erfreuen, werden sie im Ruhestand häufig nur noch als Kostenfaktor, als Belastung für die öffentlichen Haushalte wahrgenommen. Die Beamtenversorgung müsse gekürzt werden, da sie im Vergleich zur Rente viel zu hoch sei. Auffallend ist, dass diese Forderung überwiegend von denjenigen vertreten wird, die auch den Ausbau der privaten, kapitalgedeckten Altersvorsorge propagieren.

  

Ingrid Sehrbrock
Foto: DGB

Die Vergleiche mit der Beamtenversorgung lenken davon ab, dass wir dringend Reformen brauchen, damit die gesetzliche Rente auch in Zukunft zum Leben reicht. Doch warum wird nicht gefordert, das System der gesetzlichen Rentenversicherung zu stärken? Niedriglöhne, ungesicherte Beschäftigung und Minijobs bewirken Minirenten. Die sich durch mehrere Rentenreformen abzeichnende Absenkung des Niveaus auf 43 Prozent führt für viele sicher in die Altersarmut und dies trotz jahrelanger Beitragszahlung. Der DGB macht sich deshalb stark für eine gerechte Rente und zeigt auf, wie Altersarmut vermieden werden kann.

Quelle: Beamten-Magazin 10/2012

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