Rechtzeitig für „Wissensnachschub“ sorgen; Cornelia Rogall-Grothe; Interview

Rechtzeitig für „Wissensnachschub" sorgen

Das Augenmerk der aktuellen Ausgabe des Beamten-Magazins liegt auf den Folgen der demografischen Entwicklung für den öffentlichen Dienst. Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte" sprach darüber mit Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern (BMI).

Frau Staatssekretärin Rogall-Grothe, die Auswirkungen der demografischen Entwicklung nehmen in aktuellen politischen Debatten großen Raum ein. Vor welchen Herausforderungen steht der öffentliche Dienst in Deutschland nach Einschätzung des BMI?

Werfen wir einen Blick auf die künftigen Personalstrukturen im öffentlichen Dienst: Zunehmend ältere Beschäftigte und weniger Nachwuchskräfte werden das Bild in den Verwaltungen prägen. Unsere Aufgabe ist es, den öffentlichen Dienst mit den demografischen Vorgaben – und in Zeiten knapper Kassen – leistungsfähig zu halten. Das gelingt, wenn wir uns schon heute auf die Zukunft vorbereiten, z.B. rechtzeitig für „Wissensnachschub" in den Verwaltungen sorgen, sei es durch Nachwuchskräfte, sei es durch Fortbildungen. Überzeugend bleiben wir als Arbeitgeber, wenn die Arbeitsbedingungen lebensphasengerecht sind und wir die Leistungsfähigkeit und Motivation der Beschäftigten stützen.

Das BMI hat diesen Sommer das Projekt „Demografiesensibles Personalmanagement in der Bundesverwaltung" abgeschlossen. Was war der Auslöser für das Projekt?

Das Projekt ist Teil des Regierungsprogramms „Vernetzte und transparente Verwaltung". Dieses wiederum greift den Teil der Koalitionsvereinbarung auf, der angesichts der Folgen des demografischen Wandels ein Konzept in Aussicht gestellt hat, welches auch Maßnahmen zur Berücksichtigung der besonderen Belange älterer Beschäftigter und zum Erhalt der Konkurrenzfähigkeit im Hinblick auf den Wettbewerb des Bundes mit anderen Dienstherren und der Wirtschaft um Nachwuchskräfte beinhaltet.

Resultat des Projekts ist unter anderem ein „Leitfaden zur Ausgestaltung einer lebensphasenorientierten Personalpolitik". Was ist darunter zu verstehen?

Mit diesem Modell sollen die vielfältigen und sich mit den Lebensphasen verändernden Kompetenz- und Motivierungspotenziale der Beschäftigtengruppen identifiziert und gefördert werden. Die Berufs- und Lebensverläufe  werden in verschiedene Phasen unterteilt. Hiermit finden die Wechselwirkungen zwischen Beruf und privater Lebensplanung in allen Handlungsfeldern des Personalmanagements stärker Berücksichtigung. Arbeitgeber und Beschäftigter werden damit mehr als bisher in die Lage versetzt, Arbeitsanforderungen und berufliche Weiterentwicklung mit den individuellen Bedürfnissen und Interessen des Beschäftigten in Einklang zu bringen. Dies setzt einen kontinuierlichen und vertrauensvollen, von gegenseitiger Wertschätzung getragenen Austausch zwischen beiden Seiten voraus.

In einer weiteren Broschüre wird das Instrument der Altersstrukturanalyse vorgestellt. Wie erfolgt eine solche Analyse und welchen Nutzen kann eine Behörde daraus ziehen?

Eine Altersstrukturanalyse und -prognose ist die wesentliche Grundlage für eine strategische Personalpolitik. Nur eine Verwaltung, die heute weiß, über welches Personal sie morgen verfügt, kann eine kluge Einstellungspolitik verfolgen und ihre Mitarbeiter bedarfsgerecht weiterentwickeln. Eine solche Analyse macht aber nur Sinn, wenn gleichzeitig die Aufgabenbereiche innerhalb einer Verwaltung exakt ermittelt und beschrieben werden, die zukünftig eine Rolle spielen und
passgenau besetzt werden müssen. In der Broschüre wird ein zweistufiges IT-gestütztes Verfahren vorgestellt. Zunächst wird die aktuelle Altersstruktur der Belegschaft untersucht. In einem zweiten Schritt wird eine Prognose erstellt. Aus dem Vergleich der aktuellen mit der prognostizierten Altersstruktur lassen sich mögliche zukünftige personalpolitische Herausforderungen identifizieren.

Mit welchen Argumenten würden Sie zum jetzigen Zeitpunkt junge Menschen für eine Karriere im öffentlichen Dienst überzeugen?

Unsere Arbeitsbedingungen sind schon recht gut, gerade um Beruf und Familie miteinander zu verknüpfen. Überzeugen können wir aber vor allem durch die Inhalte unserer Arbeit, die vielseitig, spannend und wichtig für das Miteinander in der Gesellschaft sind. Die Leistungsfähigkeit der Verwaltungen verdanken wir den Beschäftigten, die ihre Arbeit verantwortungsvoll und engagiert erledigen. Damit müssen wir werben! Mir scheint, es wissen noch zu wenige, auch übrigens bei den jungen Menschen mit Migrationshintergrund, dass wir im Bund 130 verschiedene Ausbildungsberufe und Studienmöglichkeiten anbieten. Daher empfehle ich jungen Menschen, aber auch deren Eltern, sich im Internet unter www.wir-sind-bund.de zu informieren. Ein tolles und informatives Portal, welches die Vielseitigkeit der Arbeit beim Bund zeigt. Ich glaube, dass die Arbeitsbedingungen und der sichere Arbeitsplatz dann für sich selbst sprechen.

Quelle: Beamten-Magazin 09/2012

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