Neuland betreten; Gewerkschaften

Neuland betreten

Gewerkschaftliche Arbeit für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

Die Arbeitswelt ist immer noch ein Lebensbereich, in dem Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LSBT) häufig Diskriminierungen erfahren. Einer 2007 veröffentlichten Studie über „Sexuelle Identität, (Anti-)Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz“ zufolge sehen sich 77 Prozent der Lesben und Schwulen verschiedensten Formen von Diskriminierung ausgesetzt. Hier entgegenzuwirken ist der Ansatz von verschiedenen gewerkschaftlichen Initiativen. Der DGB hat in einem Workshop Anfang April mit der Vernetzung der LSBT-Arbeit begonnen.

Positiver Wandel der Gesellschaft

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahrzehnten für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender grundlegend verbessert. Die rechtliche Gleichstellung von Lesben und  Schwulen ist mit dem 2001 geschaffenen Gesetz über die eingetragene Lebenspartnerschaft einen Schritt weiter gekommen. Ein wichtiger Ausgangspunkt für die berufliche Gleichstellung von Homosexuellen war die EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf aus dem Jahre 2000 (Richtlinie 2000/78/EG). Sie verpflichtete die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Gesetze und Regelungen zur Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf zu schaffen. Als Umsetzungsschritt der Richtlinie wurde schließlich im August 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) verabschiedet. Mit dem AGG besteht seitdem ein umfassendes arbeitsrechtliches Benachteiligungsverbot, das auch die Benachteiligung aufgrund der sexuellen Orientierung umfasst. Damit ist die rechtliche Gleichstellung inzwischen auch in der Arbeitswelt von Lesben und Schwulen im öffentlichen Dienst angekommen.

Beharrlich bemühen sich der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften um die Umsetzung der Gleichstellungsrichtlinie im Beamtenrecht. Es konnte erreicht werden, dass fast alle Länder und der Bund verpartnerte Beamtinnen und Beamte dienstrechtlich weitgehend gleichgestellt haben. Gesellschaftlich sind Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender heute in sehr vielen Lebensbereichen akzeptiert. Doch wie kommt es, dass gerade in Arbeitsbeziehungen viele
Homosexuelle immer noch Ausgrenzung erfahren und Diskriminierung beklagen? Schon 1996 ermittelte eine erste Studie, dass etwa 81 Prozent aller befragten Lesben und Schwulen bereits Erfahrungen mit Diskriminierung am Arbeitsplatz hatten. Seitdem ist die Thematik in der Öffentlichkeit durch die Medien und das beispielhafte „coming out“ einiger Prominenter wesentlich stärker präsent. Auch dadurch hat sich das gesellschaftliche Klima positiv gewandelt.

Diskriminierung bleibt beständig

Dennoch erleben auch zehn Jahre später viele Lesben und Schwule ihren Arbeitsalltag oft nicht diskriminierungsfrei. Die Formen der Benachteiligungen seien dabei strukturell und zum Teil sehr subtil, stellte der Autor der Studie von 2007, Dominic Frohn, heraus. Die Befragten erlebten zum Beispiel Informations- und Kommunikationsausschluss, erhielten sinnlose Arbeitsaufträge, würden unsachgemäß kritisiert oder in ihrer beruflichen Karriereentwicklung behindert. Etwa 52 Prozent aller Schwulen und Lesben verschweigen daher ihre sexuelle Identität am Arbeitsplatz. Die Folge sind Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation und psychosomatische Beschwerden. Das Fazit der Studie ist deutlich: Wir brauchen ein erfolgreiches Diversity-Management in den Unternehmen und Betrieben. Dieser Aufgabe stellen sich der DGB und seine Gewerkschaften.

Gewerkschaften betreten zum Teil Neuland

Eine Bestandsaufnahme des Workshop zeigte allerdings, dass die LSBT-Thematik mit ganz unterschiedlicher Vehemenz voran getrieben wird, und nicht immer nehmen die Mitglieder ihre Gewerkschaften hier als Vorkämpfer wahr. Einige Gewerkschaften betreten zumeist auf Initiative ihrer Mitglieder zaghaft Neuland. So beginnt in der IG BCE gerade erst ein Diskussionsprozess. Mit der Gründung von regionalen Gruppen wie der „HoLeBis“ im Bezirk Berlin-Mark Brandenburg soll Kultur und Image der eher als konservativ geltenden Gewerkschaft in diesem Bereich modernisiert werden. Auch in der IG BAU geht es voran. Unter dem Projektnahmen „IGay Bau“ wird derzeit ein Arbeitskreis aufgebaut. In der GdP sind viele der betroffenen Kolleginnen und Kollegen eher zurückhaltend. Die Repräsentation von lesbischen und schwulen Polizeibeamten findet hauptsächlich über den gewerkschaftsnahen „Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Deutschland“ (VelsPol) statt.

Vielfalt für den öffentlichen Dienst

Der Workshop dokumentierte aber auch, wie kontinuierliches Engagement zum Erfolg führt. So gibt es seit Jahrzehnten in der GEW vielfältige Aktivitäten zum Thema LSBT. Bildungsarbeit in der Schule gehört ebenso dazu wie persönliche Beratung oder die Präsenz auf dem jährlichen Christopher Street Day (CSD). Der „Abbau von Diskriminierung von Lesben und Schwulen“ wurde auf dem GEW-Gewerkschaftstag 2009 beschlossen. Auch bei ver.di hat sich viel getan. Es gibt einen bundesweit agierenden Arbeitskreis, und regelmäßig erscheint das Magazin queer-Format. Dennoch, es kann mehr getan werden, so das Votum der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein positiver Impuls geht von dem DGB-Bezirk Berlin-Brandenburg aus. Hier wurde im März 2011 ein „Antidiskriminierungsarbeitskreis LSBT“ gegründet.

Mehr Informationen:

www.berlin-brandenburg.dgb.de/-/wLO

www.holebis.de

www.schwulelehrer.de

www.velspol.de

www.verdi-queer.de

Quelle: Beamten-Magazin 07/08.2012

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