Schlechter beurteilt – schlechter bezahlt; Bund

Schlechter beurteilt – schlechter bezahlt

„Von Entgeltgleichheit im öffentlichen Dienst kann keine Rede sein“. Mit diesen Worten leitet der DGB eine Stellungnahme zum Beschluss der Landesministerinnen und –minister für Gleichstellung und Frauen ein. Sie hatten auf ihrer Konferenz im Juni 2010 in Dresden die Bundesregierung und die Landesressorts aufgefordert, die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Dienst von durchschnittlich sieben Prozent abzubauen. Der DGB führt dies nicht allein auf die hohe Teilzeitquote von Frauen zurück. Selbst vollzeitbeschäftigte Beamtinnen erhalten laut DGB im Schnitt „erheblich weniger Besoldung als Männer“. Im mittleren und höheren Dienst betrage der Unterschied rund zwölf Prozent – obwohl formal im Besoldungsrecht gleiche Tätigkeiten auch gleich bezahlt würden. Frauen erreichten seltener als Männer Spitzenpositionen der Laufbahngruppen. Die Entgeltunterschiede resultieren nach Auffassung des DGB daraus, dass Frauen in Beurteilungsrunden, die Voraussetzung für die Beförderung und Höhergruppierung sind, schlechter abschneiden. Auch im Tarifbereich könne von der angestrebten diskriminierungsfreien Entgeltordnung keine Rede sein. Denn die Arbeitgeber verschlössen sich in den Tarifverhandlungen immer noch gegen eine neue Bewertung der Tätigkeitsmerkmale. Der Grundsatz „gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit“ gelte längst nicht für alle Tätigkeiten. Die schlechtere Beurteilung von Frauen sei auffällig, weil sie im Durchschnitt mit besseren Schulnoten und besseren Testergebnissen eingestellt werden. Der DGB vermutet, dass diskriminierende Kriterien bei der Leistungsbewertung dafür verantwortlich sind. Er empfiehlt der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauen-Minister, wissenschaftliche Studien zu initiieren oder zu fördern. Diese sollen die mittelbare Diskriminierung durch Besoldungs- und Tarifsysteme sowie Regelungen, Verfahren und Ergebnisse der Beurteilungsrunden analysieren und Methoden aufzeigen, wie die Beurteilungspraxis geschlechtergerecht werden kann. Der DGB empfiehlt eine langfristige, auf Geschlechterparität zielende Besetzung von Führungspositionen. Festgefahrene Verhaltens- und Verfahrensweisen, vor allem der Führungskräfte, müssten aufgebrochen werden. Demnach dürfen Auszeiten bei Beurteilungen keine Rolle mehr spielen. Teilzeit darf kein Karrierehindernis sein. Bei allen Stellenausschreibungen muss geprüft werden, wie es Müttern, Vätern oder Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen ermöglicht werden kann, Familie und Beruf zu vereinen.

Quelle: Beamten-Magazin 07.-08.2011

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