Kooperation statt Konfrontation; Wolfgang Ehinger; Porträt

Kooperation statt Konfrontation

Im Porträt: Wolfgang Ehinger, Oberpsychologierat

Wolfgang Ehinger leitet die Schulpsychologische Beratungsstelle Tübingen. Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen rund 200 Schulen mit insgesamt knapp 80.000 Schülern in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen. Das Aufgabenspektrum ist breit: Von der Beratung über die Lehrerfortbildung und -supervision bis zur Krisenintervention. „Unsere Aufgabe ist die Erarbeitung von Perspektiven, wenn scheinbar nichts mehr geht", beschreibt Wolfgang Ehinger die Beratungsarbeit. Früher sei die Rede von „verhaltensgestörten" Kindern gewesen. Heute spreche man von Kindern in schwierigen Lebenssituationen. Eine wichtige und folgenreiche Änderung der Wahrnehmung: Nicht das (Fehl-)Verhalten der Kinder stehe im Mittelpunkt, sondern die Belastungsfaktoren, denen das Kind in seinem familiären, schulischen und außerschulischen Umfeld ausgesetzt ist. Ein wichtiges Prinzip der Beratung sei es, die gegenseitigen Schuldzuweisungen aufzulösen und Schüler, Eltern und Lehrer in ihrer jeweiligen Verantwortung anzusprechen. „Dabei sind wir auf die Kooperation von allen Beteiligten angewiesen. Im Gespräch wollen wir wegkommen vom „alles oder nichts", vom „entweder - oder": Gemeinsam werden realistische Ziele und kleine Schritte herausgearbeitet. Wir suchen nach Ressourcen, die angezapft werden können.", so der 61-Jährige.

Manche Situationen sind auch für die Psychologen schwierig: Wenn bspw. Schüler und Lehrer nach dem Unfall oder dem Suizid eines Mitschülers betreut werden. Dann erhalten die Helfer selbst Hilfe – in Form von Supervision. Obwohl alle Schulpsychologen eine Ausbildung in Krisenintervention absolvieren, bedeutet eine Krisenintervention immer auch eine besondere Belastung. Der Einsatz in den Tagen, Wochen und Monaten nach dem Amoklauf eines Schülers in Winnenden im März 2009 hat Spuren hinterlassen. Zeitweilig waren in der eilig eingerichteten Beratungsstelle in Winnenden 120 Schulpsychologen aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz. Noch immer ist die Beratung mit zwei Mitarbeitern besetzt. Unter dem Eindruck der Ereignisse wurde beschlossen, die Zahl der Schulpsychologen in Baden-Württemberg von 100 im Jahr 2009 auf 200 im Jahr 2012 zu erhöhen. „Die Aufstockung ermöglicht eine stärkere Nutzung unserer Kompetenzen, da die Kollegen unterschiedliche Schwerpunkte wahrnehmen können", freut sich Wolfgang Ehinger.

Quelle: Beamten-Magazin 04/2011

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