„Klare Botschaft: Wir wollen euch!“; Leo Monz und Daniel Weber; Interview

„Klare Botschaft: Wir wollen euch!"

Ein Ziel des Nationalen Integrationsplans der Bundesregierung ist die Erhöhung des Anteils von Migrantinnen und Migranten im öffentlichen Dienst (s. Meldungen S. 7). Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte" sprach mit Leo Monz und Daniel Weber vom DGB Bildungswerk über den Prozess der interkulturellen Öffnung des öffentlichen Dienstes und seine Akteure.

Warum ist der Anteil von Migrantinnen und Migranten an den Beschäftigten und Auszubildenden im öffentlichen Dienst so gering?

Der Anteil wird leider selten erhoben und ist regional, nach Funktion und Art der Institution verschieden. Insgesamt kann man unseren Erfahrungen nach von einem (zu) geringen Anteil reden.

Es gibt viele Gründe: Menschen mit Migrationshintergrund werden oder fühlen sich nicht angesprochen, Auswahlverfahren sind nicht kultursensibel die deutsche Staatsbürgerschaft wird als Einstellungsvoraussetzung angenommen. Viele – so auch wir z.B. mit unserer Broschüre „Deine Rechte"- haben da Aufklärungsarbeit geleistet. Oft gibt es Einstellungsmöglichkeiten – sie werden aber wenig genutzt.

Privatisierungen, Rationalisierungen und Auslagerungen kosteten Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst – besonders die von Menschen mit Migrationshintergrund. Viele Initiativen zur Einstellung von Migrantinnen und Migranten scheitern am Geld: Einstellungsstopp, Kürzung der Fortbildungsmittel, Haushaltssicherungsauflagen führen dazu, dass der Anteil kaum gesteigert werden kann und Versäumnisse nicht mehr aufgefangen werden können. Manchmal fehlen formale Voraussetzungen zur Einstellung oder zum Aufstieg (und damit zur Weiterbeschäftigung) von Menschen mit Migrationshintergrund: Abschlüsse aus dem Ausland werden nicht anerkannt, Real- und Hauptschulabschlüsse entwertet. Aber die Tarifverträge bieten Möglichkeiten zur Anerkennung auch informell erworbener Kompetenzen. Oft fehlt einfach die klare Botschaft: Wir wollen euch! Wir wollen ein Spiegelbild der Gesellschaft sein.

Was bedeutet „Interkulturelle Öffnung des öffentlichen Dienstes"?

Mit Interkultureller Öffnung ist die Umsetzung einer strategischen Ausrichtung gemeint, um kulturelle Vielfalt wahrzunehmen, wertzuschätzen und als Ressource zu sehen. Es ist ein zielgerichteter Prozess der Organisationsentwicklung, der sowohl auf der strukturellen als auch auf der individuellen Ebene der Mitarbeitenden stattfindet. Ziel kann sein, Menschen mit Migrationshintergrund die gleichberechtigte Teilhabe an den Prozessen, Dienstleistungen und Produkten der Organisation zu ermöglichen.

Kulturelle Vielfalt meint in diesem Prozess mehr als die regionale Herkunft der Mitarbeitenden: auch unterschiedliche Lebensstile, soziale Lagen, Kommunikationsformen und Arbeitsmotivationen. Interkulturelle Öffnung besteht aus einem Maßnahmenpaket, das je nach Kontext und Institution unterschiedlich ist. Es setzt an den Ebenen der Organisationsentwicklung, der Personalentwicklung,
der Produktentwicklung und der Aus- und Weiterbildung an.

Welche Akteure können den Prozess der interkulturellen Öffnung anstoßen und vorantreiben? Wie sieht der Handlungsspielraum für Personalräte aus?

Grundsätzlich kann der erste Impuls entweder von der Leitung der Institution ausgehen oder von den Beschäftigten oder deren Vertretungen. Wichtig ist, dass ein Prozess ohne den jeweils anderen nicht funktionieren kann: Die Leitung muss genauso begeistert werden wie die Mitarbeitenden und deren Vertretung.

Wir erleben sehr motivierte Personalräte, weil sie durch die Mitarbeit in diesem Prozess ihre Ziele aus dem Personalvertretungsgesetz besser wahrnehmen können und aktiv die Arbeitsbedingungen und Beschäftigungschancen für Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund verbessern. Durch die Elemente der Mitbestimmung gibt es einen Spielraum für Personalräte, einen solchen Prozess zu gestalten und Leitprojekte für die eigenen Ziele zu formulieren. Bei unseren Seminaren beispielsweise lernen Personalräte, wie interne Weiterbildung gestaltet wird, so dass sie einer kulturell vielfältigen Arbeitswelt gerecht wird.

Mehr Informationen:

Leo Monz ist Leiter des Bereichs „Migration und Qualifizierung" beim DGB Bildungswerk.

Daniel Weber leitet das Kompetenzzentrum Interkulturelle Kompetenz im Bereich „Migration und Qualifizierung" des DGB Bildungswerks.

Informationen unter: www.migration-online.de

Quelle: Beamten-Magazin 04/2011

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