Behördendeutsch hemmt Kommunikation; Bund

Behördendeutsch hemmt Kommunikation

Als ob sie in zwei verschiedenen Welten lebten: Bürgerinnen und Bürger in der einen, Behörden und ihre Beschäftigten in der anderen. Vor allem Menschen aus sozial benachteiligten Milieus haben häufig Probleme bei der mündlichen und schriftlichen Kommunikation im „Verwaltungsjargon“. Das ist nun wissenschaftlich belegt. Ein interdisziplinäres Team um drei Professoren der Technischen Universität Dortmund hat herausgefunden, dass Behördenformulare zu schwierig sind. Im Rahmen des Projekts Schreiben zwischen Sprachen und Kulturen/Literacy between Languages and Cultures (LiLaC) untersuchte die Forschergruppe auch, welche Faktoren für diese Schwierigkeiten verantwortlich sind und ob auch mangelnde Deutschkenntnisse dazu beitragen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, kamen aus benachteiligten Milieus im Ruhrgebiet mit niedrigem Sozialstatus und Bildungsstand. Einbezogen waren Menschen mit und ohne Einwanderungshintergrund.

Die Daten, die anhand von Fragebogen und Interviews erhoben wurden, machen deutlich, dass alle Befragten Schwierigkeiten hatten, ein einfaches Formular auszufüllen. An Stellen, an denen sie selbst schreiben mussten, konnten viele die Fragen nicht beantworten. Als eher gering erwies sich der Unterschied zwischen Muttersprachlern und Einwanderern. Lediglich bei jenen, die Deutsch im Alltag eher selten sprechen, gibt es mehr Probleme beim Verstehen und Ausfüllen von Formularen oder der in Briefen verwendeten Sprache.

Es bestehe weiterhin Bedarf an Texten in Türkisch und Russisch, schlussfolgern die Forscher/innen. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Sprachen sprechen, würden benötigt. Die Verwaltungssprache, so die Wissenschaftler/innen, müsse einfacher werden (siehe hierzu auch S. 18). Vieles lasse sich überdies im Gespräch besser klären als auf schriftlichem Weg.

Quelle: Beamten-Magazin 11/2010

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