Für eine Stadt im Gleichgewicht; Jürgen Roters; Gastbeitrag

Für eine Stadt im Gleichgewicht

Der Oberbürgermeister der Stadt Köln Jürgen Roters über die Potenziale einer vorausschauenden Stadtentwicklungspolitik

Für die Stadtentwicklungspolitik sind die kommenden Jahre eine Bewährungsprobe: Geringes Wirtschaftswachstum, hohe Arbeitslosigkeit, der demografische und soziale Wandel der Stadtgesellschaft sowie der Klimawandel stellen hohe Anforderungen an die Gestaltungs- und Steuerungsfähigkeit der Städte. Durch die strukturelle Krise der Kommunalfinanzen, die sich in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen wird, drohen die Handlungsmöglichkeiten der Städte bei steigenden Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit weiter reduziert zu werden. Gleichzeitig sehen sich Metropolen wie Köln einem zunehmenden Wettbewerb untereinander ausgesetzt, den sie mit guten Ideen, leistungsfähigen Forschungs- und Bildungslandschaften und innovativen Unternehmen als Chance zum Ausbau ihrer Stärken nutzen müssen. In dieser Situation müssen alle Kräfte in der Stadt für die Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben mobilisiert werden. Die lokale Ebene bestimmt zwar nicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die gesellschaftliche Entwicklung. Städte können jedoch Kreativität und Innovationspotenziale vor Ort aktivieren und so ihren begrenzten Handlungsspielraum klug nutzen. Darum gilt es, vorausschauende Szenarien und langfristige Konzepte für integriertes Handeln zu entwickeln und Stadtentwicklungspolitik nicht auf eine bloße reaktive Verwaltung des Mangels zu reduzieren. Stadtverwaltungen stellen heutzutage eine große Bandbreite vielfältigster Leistungen zur Verfügung. Die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die lokalen Unternehmen erwarten eher mehr als weniger Leistungen, sind aber im Gegenzug zunehmend bereit, sich mit ihren Fähigkeiten an den Konzepten und Projekten zu beteiligen. Unterschiedliche Interessen einzelner Gruppen, soziale, ökonomische und ökologische Ziele müssen für eine nachhaltige Stadtentwicklung miteinander verknüpft und ins Gleichgewicht gebracht werden. Gleichzeitig gilt es aber auch, den ungleichen Lebensverhältnissen und den gegensätzlichen Entwicklungen in den einzelnen Stadtteilen entgegenzuwirken, um eine sozialräumliche Balance und Integration in der Stadt zu sichern. Damit dies gelingt und die kommunale Selbstverwaltung sowie die kommunale Daseinsvorsorge gestärkt aus der Krise hervorgehen, sind die vorhandenen Ressourcen sorgfältig einzusetzen. Hierzu gehören auch qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die es zu bewahren und zu fördern gilt. Wenn wir zudem die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte in die Gestaltung unserer Städte einbeziehen, muss eine ausgewogene Stadtentwicklung kein Wunschdenken bleiben.

Quelle: Beamten-Magazin 06/2010



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