Wichtige Aufgabenfelder weiterentwickeln; Ingrid Sehrbrock; Interview

Wichtige Aufgabenfelder weiterentwickeln

Der Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat Ingrid Sehrbrock als DGBVize für eine weitere Amtszeit bestätigt. Die Beamtenpolitik wird sie voraussichtlich auch in den kommenden Jahren verantworten. Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte" wollte u. a. wissen, wo Sehrbrock ihre beamtenpolitischen Schwerpunkte setzen wird.

Die Dienstrechtsreform im Bund ist abgeschlossen, die Besoldungsrunde auf der Zielgeraden. Welche beamtenpolitischen Entwicklungen erwartest Du in nächster Zeit?

In den Ländern nehmen die Reformprozesse im Dienstrecht Fahrt auf:
In Bayern ist das Gesetzgebungsverfahren schon weit gediehen, jüngst erreichte uns ein Gesetzentwurf aus Hessen. Ich selbst bin Mitglied der Reformkommission in Nordrhein-Westfalen. Die Kernthemen ähneln sich überall: Mehr Durchlässigkeit, ein moderneres Laufbahnrecht, Erfahrungsstufen in der Besoldung und die Pension mit 67. Die Lösungen unterscheiden sich aber zum Teil grundlegend. Die Leistungslaufbahn in Bayern ist schon etwas anderes als das klassische viergliedrige Laufbahnsystem des Bundes. Und nicht überall soll das Eintrittsalter in den Ruhestand angehoben werden. Wir werden die DGB-Bezirke in ihrer Arbeit unterstützen, wenn es darum geht, die Interessen der Beamtinnen und Beamten wirksam zur Geltung zu bringen.

Wo wirst Du in den nächsten Jahren Schwerpunkte setzen?

In unserer Beamtenkommission haben wir kürzlich vor allem über die Beamtenversorgung und die Koalitionsrechte diskutiert. Beides sind strategisch wichtige Aufgabenfelder, die wir in den kommenden Jahren stärker entwickeln müssen. Es mehren sich die Zeichen dafür, dass wir auf Kürzungen in der Beamtenversorgung gefasst sein müssen – die Finanzkrise lässt grüßen. Unsere Haltung ist klar: Keine Sonderopfer für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Sie dürfen nicht für das systematische Versagen der Politik zur Rechenschaft gezogen werden. Die Koalitionsfreiheit der Beamtinnen und Beamten ist durch die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Beamtenstreik in der Türkei wieder ein Thema. Die Bundeskanzlerin hat auf dem DGB-Bundeskongress erklärt, die Tarifautonomie müsse in unserem Land gestärkt werden. Hier haben wir im Dienstrecht eine große Lücke: Von Verhandlungen auf Augenhöhe kann nicht die Rede sein. Das muss deutlich anders werden.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Was würdest Du Dir für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes wünschen?

Seit Beginn der 1990er Jahre steht der öffentliche Dienst unter einem hohen Veränderungsdruck. Eine Verwaltungsreform jagt die nächste. Viele Beschäftigte, die von diesen Prozessen direkt oder indirekt betroffen sind, sind verunsichert und entmutigt. Viele fühlen sich übergangen. Ich wünsche mir für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, dass der permanente Druck durch immer neue aufeinanderfolgende Reformen nachlässt. Ich wünsche mir, dass sie sich nicht in erster Linie mit organisatorischen Veränderungen beschäftigen müssen, sondern sich – frei von Nebenkriegsschauplätzen – auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. Und ich wünsche mir, dass ihnen ihre Arbeit wieder Freude bereitet.

Was wünschst Du Dir als Bürgerin, die die Dienstleistungen des öffentlichen Dienstes in Anspruch nimmt?

Vor einigen Wochen musste ich meinen Personalausweis verlängern lassen. Mit vollgepacktem Terminkalender ist es nicht ganz einfach, sich für solche Erledigungen Zeit freizuschaufeln. Deshalb war ich angenehm berührt, wie schnell die Angelegenheit erledigt war. Die Beschäftigten im Rathaus meines Wohnortes haben vorgemacht, was ich mir für mich und alle Bürgerinnen und Bürger wünsche: dass Anliegen zügig, reibungslos und mit einem freundlichen Wort auf den Lippen erledigt werden. Ich jedenfalls habe das Rathaus seinerzeit gutgelaunt verlassen und benutze diesen „positiven Behördenkontakt" gerne, allzu bornierte Klischees über den öffentlichen Dienst zu widerlegen.

 Zur Person

  • 1948 in Offenbach am Main geboren
  • Studium der Anglistik, Politikwissenschaft, Chemie und Pädagogik in Frankfurt/Main
  • seit 1987 stellvertretende Bundesvorsitzende der CDA
  • seit 1999 Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des DGB
  • seit Mai 2006 stellvertretende Vorsitzende des DGB


Quelle: Beamten-Magazin 05/2010





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