Freud und Leid eines Finanzbeamten; Dieter Hentges; Porträt

Freud und Leid eines Finanzbeamten

Im Porträt: Dieter Hentges, Steueramtsinspektor

Dieter Hentges kann in mehrfacher Hinsicht auf langjährige Laufbahnen und Erfahrungen zurückblicken: Seit 44 Jahren ist er im öffentlichen Dienst, seit 40 Jahren Gewerkschaftsmitglied, seit 38 Jahren Mitglied einer Personalvertretung im Finanzamt des Landes Nordrhein-Westfalen. Über 20 Jahre war Hentges Bildungsreferent für Vertrauensleute, Betriebs- und Personalräte, 18 Jahre lang Revisor der Kreisverwaltung Köln. Heute steht der 61-Jährige kurz vor dem Ruhestand und weiß schon jetzt ganz genau, dass er sich auch dann nicht eine Sekunde langweilen wird. Seine dienstliche Laufbahn hat Dieter Hentges 1966 als Steueranwärter im Finanzamt Köln-Land (später Köln-Außenstadt, jetzt Köln-West begonnen), wo er die Lohnsteuerstelle, den Lohnsteueraußendienst und die Einkommensteuerstelle kennenlernte. Seit fünf Jahren arbeitet er, wie er sagt, „bürgernah“ in der Informations- und Servicestelle des Finanzamtes. Hier nimmt er Steuererklärungen und Lohnsteuerermäßigungsanträge entgegen, ändert Steuerkarten, erteilt Auskünfte und unterstützt Steuerbürger/innen beim Ausfüllen ihrer Formulare. Der Steueramtsinspektor bearbeitet die Anträge, überprüft, ob die Steuererklärungen sachlich, rechnerisch und steuerrechtlich in Ordnung sind und gibt sie anschließend frei. Rechnen muss Hentges heute nicht mehr. Das übernimmt der Computer und „es würde die Arbeit erheblich erleichtern, wenn die neue Technik denn auch immer funktionieren würde“. Da klingt die Kritik eines Leidgeprüften durch. Auch die mangelhafte personelle Ausstattung der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung erzürnt den engagierten Gewerkschafter. Seitdem das Gesetz über das Personaleinsatzmanagement in Kraft ist, seien Leistungsdruck und Stress quer durch alle Laufbahngruppen gestiegen. Die Soll-/Ist-Besetzung liege bei 91 Prozent, 250 Steuerprüfer und -fahnder fehlten. „Das Geld liegt auf der Straße, wir haben nur zu wenig Leute, um es aufzuheben“, ärgert sich Hentges. Aber sein Job hält auch Erfreuliches bereit: Aus einer Begegnung während seiner Zeit als Lohnsteueraußenprüfer ging eine Freundschaft hervor, die bis heute andauert. Damals entdeckten – nach abgeschlossener Prüfung – Steuerbürger und Steuerprüfer eine Leidenschaft, die sie teilten. Heute fahren die Freunde regelmäßig zum Fliegenfischen nach Alaska.

Quelle: Beamten-Magazin 04/2010

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