„Betriebsratsverseucht“ – und das ist gut so!; Umwort des Jahres 2009

„Betriebsratsverseucht“ – und das ist gut so!

„Betriebsratsverseucht“ ist das „Unwort des Jahres“ 2009. Arbeitnehmerinteressen würden damit „in völlig unangemessener Weise als Seuche dargestellt“, befand eine Jury aus unabhängigen Sprachwissenschaftlern. DGB-Chef Michael Sommer nannte es bemerkenswert, dass Sprachwissenschaftlicher mit der Wahl dieses „Unwortes deutlich zu machen versuchen, dass es ein gesellschaftliches Missverhältnis zwischen der Notwendigkeit und der Bedeutung der Betriebsratsarbeit und der Missachtung dieser Arbeit durch bestimmte Arbeitgeber gibt“. Gemeint sind damit insbesondere die Urheber des „Unwortes“, Abteilungsleiter der Baumarktkette „Bauhaus“, die, wie ein Mitarbeiter in „Monitor“ berichtete, Beschäftigte so titulierten, wenn sie aus einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Arbeitnehmervertretung wechseln wollten und ihnen vorgehalten werde, „dass ihr bisheriges Vertrauen in eine Arbeitnehmervertretung die Einstellung gefährde.“ Deshalb sei die Wahl von „betriebsratsverseucht“ ein Zeichen dafür, dass es „noch ein Bewusstsein dafür gibt, dass Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wahrgenommen werden müssen und diese Interessenwahrnehmung nicht als Übel zu betrachten ist, sondern als Vorteil“, so Sommer. Der Sprecher der Jury, Horst Dieter Schlosser, begründete die Wahl damit, das die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen zwar viele Unternehmer störe, sie als „Seuche“ zu bezeichnen aber ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen sei. Mit dem zum „Unwort“ gewählten Begriff stünden Menschen „plötzlich da, als wären sie Aussätzige“. Zugleich steht laut Schlosser das Wort für „eine Haltung, die sich leider inzwischen verbreitet hat“. Deshalb wollten die Sprachwissenschaftlicher „rechtzeitig ,Stopp‘ sagen“ und zum genauen Hinsehen anregen, was „in Betrieben ohne Betriebsrat los ist.“

Quelle: Beamten-Magazin 02/2010



mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2019