Nils Kammradt; Bereichsleiter Öffentlicher Dienst und Beamte; Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das Geld ist weg. So lautet die Arbeitgeber-Botschaft in der aktuellen Tarifrunde. Deshalb gehen die Arbeitgeber auf Konfrontationskurs. Nicht mit den Verursachern der Krise natürlich, denn von der angekündigten Regulierung der Finanzmärkte ist noch nichts zu sehen. Und während die Deutsche Bank Milliardengewinne einstreicht und die Banker-Boni munter fließen, richtet sich der Argwohn der Arbeitgeber gegen Tarifbeschäftigte und Beamte. „Maßlos“ und „nicht von dieser Welt“ seien die Forderungen. Der Tarifkonflikt bekommt Signalcharakter: Auf Jahre hinaus werden uns die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise noch belasten und in dieser Zeit soll es kein Geld für die Beschäftigten geben. Die lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie gehen für ihre Interessen auf die Straße, vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin und in zahlreichen Städten im gesamten Bundesgebiet. Und sie wollen ein Angebot der Arbeitgeber, denn wer Geld für reiche Erben und Hotelketten hat, der muss auch für die eigenen Beschäftigten etwas locker machen können. Dass sozial ist, was Kaufkraft schafft, belegt auch ver.di-Ökonom Norbert Reuter. In der Krise zu sparen hieße, die Gesundung der Wirtschaft zu gefährden. Heiß debattiert wurde in den vergangenen Wochen einmal mehr über die Beamtenversorgung. Wer jedoch mehr als Stammtischniveau verlangt, wird von den Medien schwer enttäuscht. Die Mär von den reichen Pensionären soll verschleiern, dass die wirklichen Vermögen nur einem Zehntel der Bevölkerung gehören. Sozialneid zu schüren scheint allemal einfacher zu sein als eine völlig verfehlte Sozialpolitik aufzugeben, die Armut schafft statt sie zu vermeiden.

Nils Kammradt
Bereichsleiter Öffentlicher Dienst und Beamte
beim DGB Bundesvorstand

Quelle: Beamten-Magazin 02/2010



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