„In deutschen Amtsstuben gibt es keine guten Kekse“; Henning Lühr; Interview

„In deutschen Amtsstuben gibt es keine guten Kekse"

Kekse sind keine durchgängige Erscheinung in den Dienstbesprechungen deutscher Verwaltungen, hat unlängst der Staats rat für Finanzen in Bremen Henning Lühr in seiner Keks-Soziologie „Management by Biscuits oder Der mit den Kalorien tanzt!" festgestellt. Aber jetzt – in der Vorweihnachtszeit – haben sie Hochkonjunktur. Über diese und andere Beobachtungen zur Gebäck-Kultur in deutschen Behörden hat das „Magazin für Beamtinnen und Beamte" mit Henning Lühr gesprochen.

Herr Lühr, freuen Sie sich, wenn die Weihnachtszeit näher rückt und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Dienstbesprechungen „versüßt" werden?

Natürlich freue ich mich auf Dienstbesprechungen, wo sehr gutes Gebäck gereicht wird. Nach meiner „Keksstudie" gibt es in der Vorweihnachtszeit mehr als das siebenfache Keksaufkommen als in den anderen Monaten. Zimtsterne sind meine Lieblingskekse.

Natürlich freue ich mich auf Dienstbesprechungen, wo sehr gutes Gebäck gereicht wird. Nach meiner „Keksstudie" gibt es in der Vorweihnachtszeit mehr als das siebenfache Keksaufkommen als in den anderen Monaten. Zimtsterne sind meine Lieblingskekse.

Wie lauten die drei wichtigsten Erkenntnisse Ihrer soziologischen Betrachtungen?

Die kleine Keks-Studie habe ich aus Neugierde, selbstironischer Alltagsbewältigung und etwas innovativem Übermut geschrieben. Beiträge, die die soziologische Forschung revolutionieren, waren also nicht zu erwarten. Meine wichtigsten Erkenntnisse der „kekssoziologischen“ Betrachtungen:
1. Die Keksquote liegt nur bei 35 Prozent.
2. In deutschen Amtsstuben gibt es keine guten Kekse.
3. Viele Büromenschen essen Keks als Ersatzmahlzeit.
Gesündere Ernährung ist angesagt!

Worauf gründen Ihre Einsichten in die Gebäck-Kultur deutscher Verwaltungen?

Aufgeklärte Bürokraten lernen im Alltag und in Lehrveranstaltungen, Kommunikations- und Führungskräfteschulungen die „Besprechung" (auch: Dienstbesprechung, in den neuen Ländern gelegentlich auch Dienstberatung, Konferenz, für McKinsey-Geschulte: Meetings) als besonderen „Raum" für Kommunikation kennen. Mir ging es um ein Phänomen in diesen Besprechungen: Wird Gebäck gereicht? Dazu habe ich eine Erhebung in 357 Dienstbesprechungen gemacht. Ziel dabei – natürlich auch nicht ganz uneigennützig – eine Reflexion der eher minimalistisch und karg bestimmten Keks-Alltagssituation in Besprechungen durch eine empirisch fundierte Qualitätsdiskussion zumindest einige kleine kulinarische Impulse zu geben. Die Schwerpunkte: Die „Keksquote" sollte ermittelt werden. Das Erkenntnisinteresse war weiterhin darauf gerichtet, wie häufig in verschiedenen Institutionen Kekse gereicht werden und ob das Keks-Angebot sich auf Standardkekssortimente oder Unikate bezog. Die spannendste Frage war, wer über die Qualität der Kekse entscheidet und nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt ist. Ein weiteres Interesse bestand daran, die sozialen Verhaltenstypen beim Keks-Essen in Besprechungen zu offenbaren. Die einzelnen Typen: Der Schaufelbagger, Gourmet nach Gutsherrenart, Schlingpflanze, Spitzfinger ... .

Herr Lühr, mal angenommen, Sie wären für die Besprechungskultur in Ihrer Behörde verantwortlich. Was würden Sie ändern und warum?

Die wichtigsten Punkte sind immer: Patentrezepte gibt es nicht! Gute Vorbereitung, gutes Ambiente, klare Struktur, Dokumentation der Ergebnisse, gute Nachbereitung. Das sind die „Big Five" der Kommunikation. Kekse können das noch abrunden!

 Zur Person

  • 1950 in Winsen/Luhe geboren
  • nach Berufsausbildung und Hochschulreife über den 2. Bildungsweg Studium der Verwaltungs-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
  • seit 2003 Staatsrat beim Senator für Finanzen in Bremen
  • neben Fachveröffentlichungen diverse Satiren und Karikaturen zu Politik, Verwaltung und Managementkonzepten
  • Mitglied der Gewerkschaft ver.di

Quelle: Beamten-Magazin 12/2009





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