Geld für Beton reicht nicht; Ulrich Thöne; Interview

Geld für Beton reicht nicht

Der neue Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist der alte: Die Delegierten des 26. Gewerkschaftstages bestätigten Ulrich Thöne für die nächsten vier Jahre als Vorsitzenden der GEW. Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte“ sprach mit dem 57-Jährigen über seine Ziele und die
Perspektiven des Bildungswesens.

Mit welchen Zielen geht die GEW in die nächsten vier Jahre?

Die GEW geht nach dem Gewerkschaftstag gestärkt in die bildungs- und tarifpolitischen Auseinandersetzungen der nächsten Jahre. Wir wollen das Recht auf Bildung für alle Menschen in einem inklusiven Bildungssystem durchsetzen, machen uns für eine solide Finanzierung des Bildungsbereichs stark und entwickeln unsere Angestelltenund Beamtenpolitik weiter. Innerorganisatorisch gestalten wir den Generationenwechsel und stellen die Mitgliederbindung und -gewinnung in den Mittelpunkt. Im vergangenen Jahr hatte die GEW einen Mitgliederzuwachs von 1,25 Prozent auf 252.000 Mitglieder.

Das öffentliche Investitionsprogramm in Milliardenhöhe, das die Bundesregierung im Angesicht der Krise beschlossen hat, bringt auch Geld für die Sanierung von Schulen und Hochschulen. Reicht das?

Die im Rahmen des Konjunkturprogramms II eingeplanten 8,7 Milliarden Euro für die Verbesserung der kommunalen Infrastruktur sind ein wichtiger und richtiger Schritt. Geld für Beton reicht aber nicht. Wir brauchen ein „Investitionsprogramm Bildung“ mit einem Volumen von 43 Milliarden Euro im Jahr. Die Regierung kann nur dann einen wirksamen „Schutzschirm für Arbeitsplätze“ aufspannen, wenn sie nachhaltig in die Bildung der Menschen investiert und Bildungsarmut bekämpft. Das
„Investitionsprogramm Bildung“, das auch Mittel für zusätzliche Pädagogen und Wissenschaftler umfassen muss, soll die kurzfristige Stärkung der Binnennachfrage und die Infrastrukturmaßnahmen als dritte Säule im Rahmen eines stabilisierenden „Konjunkturprogramms III“ ergänzen. Bildungsinvestitionen sind das beste Konjunkturprogramm.

Wie ist der Bildungsbereich auf den demografischen Wandel vorbereitet? Was muss jetzt getan wer den, um den Generationswechsel zu gestalten?

Die Bundesrepublik steuert auf einen gravierenden Pädagogenmangel zu. Die Politik ist gefordert, junge Menschen für den Lehrer- und Erzieherinnenberuf zu werben. Der Beruf muss für junge Menschen wieder attraktiver werden. Dafür müssen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung verbessert werden. Dies gilt insbesondere für Erzieherinnen, deren Verdienst in keinem Verhältnis zu den gestiegenen Anforderungen, dem Bildungsauftrag der Kitas steht.

Die GEW hat deutlich gemacht, dass Tarif- und Besoldungsrunden künftig stärker koordiniert und einheitlich geführt werden müssen. Worum geht es und was ist zu befürchten, wenn dies nicht gelingt?

Im Tarifbereich haben wir ein Auseinanderbrechen des Tarifrechts zwischen den Ländern verhindert. Die Beamtenbesoldung hingegen droht nach der Föderalisierung des Dienstrechts immer weiter auseinanderzudriften. Gerade bei den Lehrkräften zeichnet sich schon jetzt ab, wie gravierend die Folgen eines „Wettbewerbsföderalismus“ sind. Die enge Verbindung zwischen Tarif- und Besoldungsentwicklung ist ein Beitrag, einheitliche Einkommensverhältnisse im öffentlichen Dienst zu verteidigen. Deshalb müssen die Beamten stärker in die Auseinandersetzung um Einkommens- und Arbeitsbedingungen einbezogen werden. Die Tarif- und Besoldungsrunde 2009 hat gezeigt, dass die Beschäftigten dazu bereit sind.

 Zur Person

  • 1951 in Paderborn geboren
  • Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und der Pädagogik in Münster
  • Berufsschullehrer, Gesamtelternvertreter und stellv. Personalratsvorsitzender in Berlin
  • 1999 bis 2005 Vorsitzender der GEW Berlin
  • seit 2005 Vorsitzender der GEW



Quelle: Beamten-Magazin 5/2009








mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2019