Belastungen durch Bahn-Umbau; Bahn

Belastungen durch Bahn-Umbau

Der Umbau der Deutschen Bahn AG bringt für die Beschäftigten große Belastungen mit sich. Das ist das Ergebnis einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung. Jahrelanger Stellenabbau – zwischen 1994 und 2007 sank die Zahl der Bahn-Beschäftigten von 331.000 auf 231.000, jedes Jahr verließen zwischen 8.000 und 25.000 Mitarbeiter/innen das Unternehmen – führte zu Arbeitsverdichtung; häufige und wenig transparente Umstrukturierungen haben die Beschäftigten verunsichert. Dennoch: Die Studie konstatiert den Beschäftigten insgesamt „eine außerordentlich hohe Identifikation mit dem Unternehmen und seinem Bemühen der Marktbehauptung.“ Unter Leitung der Soziologieprofessorin Dr. Hildegard Maria Nickel interviewten Hasko Hüning und Michael Frey für die Studie Beschäftigte und Führungskräfte unterschiedlicher Hierarchiestufen sowie Betriebsräte. Nach Einschätzung von Führungskräften befindet sich der Konzern in einer Phase, in der weitere Produktivitätssteigerungen nicht mehr durch Rationalisierung erreicht werden können, sondern vor allem durch eine konsequente Personalentwicklung. Die Tätigkeiten seien unter den Vorzeichen stärkerer Kundenorientierung oft komplexer, nicht aber selbstbestimmter geworden. Die Beschäftigten reagierten ambivalent auf die flexiblen Arbeitszeiten. Neben den neuen Gestaltungsspielräumen gibt es der Studie zufolge „ein starkes Bedürfnis nach zeitlicher Planungssicherheit und Transparenz der betrieblichen Zeitanforderungen.“ Hauptsächlich weibliche Befragte haben Probleme, Beruf und Familie zu vereinbaren. Weibliche Führungskräfte beurteilten die „gegenwärtig herrschende männlich orientierte Arbeitszeitkultur im Unternehmen“ kritisch. Insgesamt sind rund 20 Prozent der Bahnbeschäftigten Frauen, der Frauenanteil bei den Führungskräften liegt – je nach Hierarchieebene – mit 6 bis 16 Prozent deutlich niedriger. Aus der Tatsache aber, dass im Personalsektor der Bahn vergleichsweise viele Frauen verantwortliche Positionen innehaben, leiten die Wissenschaftler Chancen für eine Geschlechterpolitik ab. Die befragten Betriebsräte beurteilten ihre Arbeit als „intensiver“, weil immer mehr Beschäftigte Probleme mit der Arbeitsbelastung haben. Auch dem bevorstehenden Börsengang stünden sie „deutlich kritisch“ gegenüber. „Die damit verbundenen Restrukturierungen sehen sie als eine der größten Herausforderungen, die es arbeits- und sozialpolitisch zu bewältigen gilt.“

Weitere Information:

Hildegard Maria Nickel, Hasko Hüning, Michael Frey: Subjektivierung, Verunsicherung, Eigensinn. Auf der Suche nach Gestaltungspotenzialen für eine neue Arbeits- und Geschlechterpolitik (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 86), Berlin 2008 ISBN 978-3-8360-8686-8 

Quelle: Beamten-Magazin 11/2008



mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2020