Interview mit dem Beamten-Magazin: Wanja Lundy-Wedin, Präsidentin des Europäischen Gewerkschaftsbund: Suche nach klarer Formulierung; Interview

Wanja Lundy-Wedin, Präsidentin des EGB (Europäischer Gewerkschaftsbund), Suche nach klarer Formulierung

Wanja Lundy-Wedin schreibt Geschichte: Sie ist als erste Frau zur Vorsitzenden des schwedischen Gewerkschaftsdachverbands LO gewählt worden und im Mai zur Präsidentin des Europäischen Gewerkschaftsbunds. Das „Beamten-Magazin" wollte wissen, wie der EGB die EU-Politik auf ein soziales Europa verpflichten will.

Welche Bedeutung für das in der Grundrechte-Charta der EU verankerte Recht auf Kollektivverhandlungen und -maßnahmen einschließlich des Streiks hat es, wenn Europa keinen Verfassungs-, sondern nur einen Grundlagenvertrag bekommt?

Wir hätten es begrüßt, wenn diese Rechte in einen Reformplan aufgenommen worden wären. In der vorliegenden Version der Grundrechtecharta sind sie zwar nicht integriert, haben aber einen gesetzlichen Status. Es ist wichtig, hervorzuheben, dass die Rechte auf Kollektivverhandlungen und Kollektivmaßnahmen für alle Länder der EU gelten.

Wie wird der EGB die Bedeutung eines solchen Grundlagenvertrags stärken?

Wir verlangen, dass Themen, die für den EGB wichtig sind, im Grundlagenvertrag klar formuliert und beschrieben werden und dass die bedeutende Rolle der Sozialpartner in der Entwicklung eines sozialen Europas klar dargestellt wird.

Wie ist der soziale Dialog für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst voranzutreiben?

Es ist wichtig, dass der Sozialdialog auf allen Ebenen in allen Bereichen gestärkt und entwickelt wird. Die Zusammenarbeit der Sozialpartner im öffentlichen Dienst wird immer wichtiger, und zwar in dem Maße, wie die Arbeiterbewegung und Dienste zunehmen.

Sollte der öffentliche Dienst in Europa für die Erwerbstätigkeit von Frauen eine größere Rolle spielen?

Die Ausweitung des öffentlichen Dienstes war ausschlaggebend für den hohen Frauenanteil unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Schweden. Ich bin davon überzeugt, dass eine Ausweitung des öffentlichen Dienstes in anderen europäischen Ländern eben diesen positiven Effekt auch dort nach sich ziehen wird.

 Zur Person:
- geboren: Oktober 1952
- Berufsausbildung: Krankenschwester
- seit 1972 aktiv in der Gewerkschaftsbewegung
- 1981–1987 Gewerkschaftssekretärin im Stockholmer Büro der Gewerkschaft der Gemeindebeschäftigten
- 1987–1994 Leiterin der Abteilung Umwelt in der Gewerkschaft der Gemeindebeschäftigten
- 1994 Vize-Präsidentin der LO
- 2000 Präsidentin der LO, Schwerpunkte: Internationale Gewerkschaftspolitik, Umweltpolitik, Jugendfragen, Gleichstellung, Integration, Arbeitsmarktpolitik
- 2007 Präsidentin des EGB (Europäischer Gewerkschaftsbund), Schwerpunkte: IGB (Internationaler Gewerkschaftsbund),  Mitglied des Exekutivausschusses und stellvertretendes Mitglied des Lenkungsausschusses NFS, Zusammenschluss der nordischen Gewerkschaften, Mitglied des Exekutivausschusses
- Wanja Lundby-Wedin lebt in Stockholm, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Quelle: Beamten-Magazin, Ausgabe 07/2007

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